Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Russian President Vladimir Putin visits Austria
Premium
Erdgas

Die Russland-Connection der OMV

Österreich hängt wie kaum ein Land an Moskaus Gas-Tropf. 60 Jahre ging alles gut. Jetzt, in der Krise, beginnen die Schuldzuweisungen. Warum die Suche nach Alternativen gescheitert ist.

Wien. Noch nie in der jüngeren Geschichte wurde den Menschen so eindrücklich vor Augen geführt, was Energiesicherheit bedeutet. Der Krieg in der Ukraine treibt nicht nur die Preise für Öl und Gas massiv in die Höhe, auch ein vollständiger Stopp der Lieferungen aus Russland steht im Raum – für die USA hat das Präsident Joe Biden am Dienstag bereits umgesetzt. Besonders heftig betroffen wäre davon Österreich, das 80 Prozent seines Verbrauchs mit russischem Gas deckt. Wird der Gashahn abgedreht, könnten nicht mehr alle Verbraucher bedient werden. Doch wie kam es eigentlich, dass Österreichs Wohl so stark vom Kreml abhängt?

Glaubt man dem ehemaligen OMV-Chef Gerhard Roiss, gibt es eine einfache Antwort: „Österreich und die OMV wurden von einer Gruppe von Leuten, allesamt Putin-Versteher, gezielt in eine Abhängigkeit von Russland gelenkt“, sagte der Ex-Manager im „Profil“-Interview. Politiker und „Austro-Oligarchen“ hätten die Nähe zum Kreml gesucht – und sein Nachfolger, Rainer Seele, sei der ideale Erfüllungsgehilfe gewesen.

Doch nicht viele der Beteiligten teilen diese Sicht der Dinge. Wolfgang Berndt, bis Herbst 2020 Aufsichtsratschef der OMV, sieht darin nicht mehr als den Rachefeldzug des in Ungnade gefallenen Ex-Managers. Roiss' Expansion in die teure Nordsee hat den Eigentümern nie gefallen. Mit dem Ölpreisverfall wurde das 2014 auch zur finanziellen Bedrohung für das Unternehmen. „Die Produktionskosten unter Roiss waren untragbar, wir waren nicht konkurrenzfähig“, sagt Berndt zur „Presse“. Eine geforderte „Überarbeitung der Strategie“ wollte er nicht liefern, also kam Rainer Seele und suchte in Russland nach günstigen Rohstoffquellen. „Dass Putin diese Schritte setzt, hat damals niemand für möglich gehalten“, so Berndt.

Aber waren Politik und Unternehmen nach den Gaskrisen von 2006 und 2009 nicht gewarnt? Haben sie wirklich alles versucht, um die Versorgung zu sichern?