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Analyse

Wie die Krise Südosteuropa unter Druck bringt

Eine Mülltonne brennt vor einer Sperre der Bereitschaftspolizei nach einer Protestkundgebung anlässlich der inoffiziellen Feier des Tages der Staatlichkeit in Niksic, Montenegro, am 13. Juli 2022.
Eine Mülltonne brennt vor einer Sperre der Bereitschaftspolizei nach einer Protestkundgebung anlässlich der inoffiziellen Feier des Tages der Staatlichkeit in Niksic, Montenegro, am 13. Juli 2022.REUTERS
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Die Folgen des Ukraine-Kriegs, Proteste gegen Preis- und Steuererhöhungen und taumelnde Regierungen setzen Südosteuropa zu. Immer mehr Junge wollen weg.

Belgrad. Ihren Unmut ließen die Demonstranten vor dem bosnischen Regierungssitz in Sarajewo freien Lauf. „Diebe, Diebe!“, skandierten die Menschen, die vergangene Woche in mehreren Städten des Vielvölkerstaats gegen die explodierenden Preise protestierten. Die Politiker würden „absolut nichts“ zur Beruhigung der galoppierenden Inflation tun, ärgerte sich Stefan Blagić, der Organisator der Proteste in Banja Luka: „Während sie sich selbst ihre Gehälter erhöhen, sind die Bürger über Nacht praktisch um 20 bis 30 Prozent ärmer geworden.“

Noch ist der drohende kalte Krisenwinter auf den derzeit von Hitzewellen und Waldbränden geplagten Balkanstaaten weit weg. Doch in den ohnehin ausgelaugten Staaten Südosteuropas sorgen die immer schneller steigenden Preise für Benzin, Gas, Strom und Grundnahrungsmittel schon jetzt für zunehmende Beunruhigung – und Proteste. Die Folgen des Ukraine-Kriegs sorgen nicht nur für wirtschaftlichen, sondern auch für politischen Druck. Die sprunghaft gestiegenen Lebenshaltungskosten gehen mit vermehrten Spannungen, in den Keller rasselnden Umfragewerten und taumelnden Regierungen einher. Nach dem Scheitern von Bulgariens inhomogener Reformkoalition droht den Bürgern des EU-Mitglieds die vierte Parlamentswahl in eineinhalb Jahren. In Montenegro steht die erst im April vereidigte Regierung von Premier Dritan Abazović bereits wieder vor dem Aus.