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Telefonstreich

Wenn ein vermeintlicher Rekrutierungsoffizier beim Sohn des Kreml-Sprechers anruft

Im Bild: Der berühmte Vater von Nikolai Peskow, Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
Im Bild: Der berühmte Vater von Nikolai Peskow, Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.IMAGO/ITAR-TASS
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Nikolai Peskow, Sohn von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, fiel auf einen Anruf eines Nawalny-Vertrauten herein. Er wolle nichts von einer vermeintlichen Einberufung zum Heer wissen und werde das „auf anderer Ebene“ regeln.

Wer muss in den Krieg in der Ukraine einrücken? Diese Frage stellen sich derzeit viele Männer in Russland, nachdem Präsident Wladimir Putin eine Teilmobilmachung der Reserve angekündigt hat - für den Einsatz in der „militärischen Spezialoperation“, wie der Einmarsch ins Nachbarland immer noch genannt werden muss. Details, welche Einheiten wann und wie einrücken sollen, werden in den nächsten Tagen bekannt gegeben, kündigte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch an.

Wie groß die Sorge, vielleicht sogar Panik, in Russland ist, zeigen nicht nur ausgebuchte Flüge und vermehrte Grenzübertritte - etwa in Finnland - sondern auch die Reaktion von Peskows Sohn Nikolai, der mittels Telefon-Streich, der in einer Youtube-Sendung live gezeigt wurde, hereingelegt wurde.

Nikolai Choles (Peskow) wurde Zielscheibe des Youtube-Kanals „Popular Politics“ von Dmitri Nisowzew, der zum Umkreis von Kremlkritiker Alexej Nawalny gezählt wird. Moderator Nisowzew ist auf dem Video zu sehen, wie er mit Peskow telefoniert, und sich als russischer Rekrutierungsoffizier ausgibt.

Er sagte offenbar: „Wir haben Ihnen, Herr Peskow, heute auch auf elektronischem Wege eine Einberufung geschickt, aber Sie haben noch nicht geantwortet.“ Auf die Frage „Sind Sie damit einverstanden, freiwilligen Dienst an der Front zu leisten“ antwortete Peskow: „Nein, kreuzen Sie dieses Kästchen nicht an.“

Der ehemalige ukrainische Botschafter in Österreich, Olexander Scherba, teilte einen Ausschnitt des Videos auf Twitter:

Der Sohn des Kreml-Sprechers hielt mit seiner prominenten Familienzugehörigkeit nicht lange hinterm Berg. "Wenn Sie wissen, dass ich Herr Peskow bin, dann sollten Sie verstehen, dass das nicht ganz korrekt ist, dass ich mich dort einfinde. Kurz, ich werde das auf einer anderen Ebene regeln", sagte er demnach. Auf die nochmalige Frage, ob er sich doch noch am nächsten Morgen um 10. Uhr in der Dienststelle einfinden werde, betonte er: "Glauben Sie mir, das brauchen weder sie noch ich". Der vermeintliche Rekrutierungsbeamte müsse doch „politische Nuancen“ bei der Einberufung bedenken.

Nikolai Peskow könnte der Authentizität des Anrufers durchaus Glauben geschenkt haben, immerhin gab er zu Verstehen, dass er seine Rechte noch prüfen müsse - und zeigte auch seine Treue zu Präsident Putin: "Ich bin bereit zu gehen, aber nicht auf Ihre Bitte hin: Wenn Wladimir Wladimirowitsch [Putin, Anm. d. Red.] mir sagt, dass ich dorthin gehen soll, werde ich gehen.“ Daraufhin wird er belehrt, dass Putin nicht jeden der anvisierten 300.000 Reservisten selbst anrufen könne. Peskows Sohn meint dazu, er sei nicht wie jeder. 

Wie die „Bild"-Zeitung berichtet, wäre Peskow durchaus ein Kandidat für die Teilmobilisierung des Heeres. Er habe seine Wehrpflicht bei den Atomraketenstreitkräften absolviert.

Nawalnys Team wies Erklärungen des Kremlsprechers Peskow zurück, wonach das Telefonat geschnitten worden sei. Es habe sich um ein Live-Telefonat in einer Sendung gehandelt, hieß es. Peskow hatte russischen Medien zufolge erklärt, dass sein Sohn sich keineswegs dem Dienst entziehen wolle.

Das Original-Video (in russischer Sprache) auf Youtube:

(Red./Ag.)