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Mord an Studentin: Wirbel um ein Leichenfoto

Studentin zerstuckelt Prozess
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (Georg Hochmuth)
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Am zweiten Tag trat die Mutter des Mordopfers in den Zeugenstand. Sie schilderte in emotionsgeladener Rede, dass ihr der nunmehrige Angeklagte ein Foto einer Frauenleiche präsentiert habe.

Wien. Unter anhaltend großem Publikumsinteresse wurde am Mittwoch der Geschworenenprozess um den Mord an der 21-jährigen Stefanie P. fortgesetzt. Die Mutter des Opfers trat in den Zeugenstand, um dem Angeklagten, also dem früheren Freund ihrer Tochter, „in die Augen zu sehen“. Stefanie P. war in der Nacht auf den 2.Juli 2010 in der Wohnung des Angeklagten mit 200 Stichen und Schnitten ermordet worden. Ihre Leiche wurde zerstückelt.

Zunächst begann der Prozesstag mit „Störfeuer“. Eine Zuschauerin, die schon am Dienstag wegen ihrer Zwischenrufe von Richterin Sonja Weis des Saales verwiesen worden war und gestern, Mittwoch, erneut auftauchte, weigerte sich zu gehen. Als die Richterin klarstellte, dass der Saalverweis weiter gelte, stand die junge Zuschauerin auf, zog ihre Jacke aus und rief zornig: „Sie wollen gegen mich kämpfen, also kämpfen wir.“ Nachdem die herbeigerufene Verstärkung der Justizwache eingetroffen war, drohte die Frau bei ihrem Abgang der Richterin: „Ich prophezeie Ihnen, dass es Ihre letzte Gerichtsverhandlung sein wird.“ Kaum war Ruhe eingekehrt, begannen irgendwo im Gebäude lautstarke Bohrarbeiten, die sich stundenlang hinzogen, niemand war in der Lage, für Ruhe zu sorgen, zumal sich die Lärmquelle nicht genau lokalisieren ließ.

Der Angeklagte, Philipp K. (23), wurde dann erneut gefragt, wie er sich die Bluttat erkläre. Wie berichtet, hat K. sein früheres Geständnis zurückgezogen. Langsam, mit sanfter Stimme sprechend, dabei den Kopf leicht zur Seite geneigt, meinte er nun, möglicherweise sei ein Fremder an jenem Abend in die Wohnung gekommen. Dieser könnte Stefanie P., als diese kurz die Wohnung verließ, um Zigaretten zu holen, getroffen haben. „Vielleicht wollte der Mann mit ihr schlafen, sie wollte nicht, und er ist ausgerastet und hat sie umgebracht.“

Einweisung in Anstalt beantragt

Er selbst habe daneben tief geschlafen, beeinträchtigt durch zuvor getrunkenen Wodka und die Einnahme von Beruhigungsmitteln. Als er aufgewacht sei, habe er die Leichenteile der Frau gefunden, diese in Plastiksäcke verpackt und in die Mülltonnen des Hauses geworfen. Eine Version, die Staatsanwalt Hannes Wandl als völlig unglaubwürdig einstuft.

Die Anklage lautet auf Mord und wegen der grausamen Verstümmelung der Leiche auch auf Störung der Totenruhe. Zudem wurde die Einweisung des Angeklagten in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt. Psychiater Karl Dantendorfer fand beim Angeklagten „eindeutige Hinweise“ auf eine „kombinierte Persönlichkeitsstörung“.

Die Mutter des Opfers schilderte eine beklemmende Szene, die sich 2007 zugetragen habe, als sie K. das erste Mal sah: Dieser habe ihr ein Handy-Foto von einer Frauenleiche mit geöffnetem Schädel gezeigt. Das Foto sei von ihm selbst aufgenommen worden– so, dass K. auch darauf zu sehen war. Die Mutter: „Ich sagte: Hast Du kein Pietätsgefühl, dieses Mal ist es ein Foto, das nächste Mal ein Mensch.“ Der Angeklagte bestritt die Existenz eines solchen Fotos, erklärte aber, er habe ein „Volontariat“ in einem Krankenhaus gemacht und sei bei einer Obduktion dabei gewesen, weil er vor hatte, Medizin zu studieren. Der Prozess wird heute, Donnerstag, fortgesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2011)