Wohnen

Wie die Klima-Anlage überflüssig wird

Starke Außenrollos mit Lamellen lassen den Lichteinfall gut regulieren.
Starke Außenrollos mit Lamellen lassen den Lichteinfall gut regulieren.Getty Images
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Kühlung. Nach der Hitzewelle ist vor der nächsten: Um langfristig in kühlen Räumen zu wohnen, müssen heiße Sommertage und Tropennächte schon bei Bau und Sanierung bedacht werden – oder beim nachhaltigen Nachrüsten.

Jetzt ist es fix: Der Sommer 2023 war der heißeste seit Beginn der Messungen. Dem EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus zufolge lag die mittlere Temperatur in den Monaten Juni bis August bei 16,77 Grad und damit 0,66 Grad über dem Durchschnitt. Eine spürbare Erleichterung brachte auch der September mit Tageshöchstwerten um die 30 Grad zumindest anfangs nicht. Kein Wunder also, dass sich so mancher den Kopf zerbricht, wie er in den kommenden Jahren trotz der immer öfter und heftiger heranrollenden Hitzewellen die eigenen vier Wände erträglich temperieren kann. Zur nachträglich zu installierenden Klimaanlage zu greifen scheint vielleicht kurzfristig die einfachste und günstigste Lösung zu sein, ist aber langfristig selten die beste. Zumal der Einbau aus baulichen, rechtlichen oder ökologischen Gründen oft gar nicht möglich beziehungsweise erwünscht ist.

Fernkälte in der Stadt

Fernkälte beispielsweise ist eine recht neue Alternative, die in Ballungsgebieten wie Wien zunehmend mehr Verbreitung findet. Das 24 Kilometer lange Fernkältenetz von Wien Energie etwa besteht derzeit aus sieben Zentralen mit Fernkältenetz, der Rest sind dezentrale Kältelösungen direkt bei Kunden. Aktuell wird eine achte Fernkältezentrale am Med-Uni-Campus Mariannengasse errichtet. Mit Fernkälte gekühlt werden unter anderem die Universität Wien, das AKH, das Rathaus, einige Hotels sowie mehrere Neubau-Wohnhausanlagen, etwa rund um den Hauptbahnhof sowie im Nordbahnviertel. Dort wird im Herbst eine neue Anlage in Betrieb genommen, die 1000 Haushalte sowie Geschäfte und Büros ab Sommer 2024 mit Fernkälte versorgen wird. Das ­Konzept der Fernkälte ist besonders in Stadtentwicklungsgebieten wie dem Nordbahnviertel ein wichtiger Baustein, um die wachsende Metropole in Zukunft bei steigenden Temperaturen lebenswert zu halten. Die Stadt kündigte an, bis 2030 die Fernkälteleistung in Wien fast verdoppeln zu wollen.

Geplantes Lüften

Neben Bauteilaktivierung, smarter Fenster- und Verschattungsplanung sowie Fassadengestaltung ist das optimale Lüften ein Thema, das bei Bau und Sanierung bedacht werden sollte, damit in der Nacht eine gute Durch- beziehungsweise Querlüftung möglich ist. Einen Beitrag dazu leistet etwa ein hinterlüftetes Kaltdach, da diese Luftströme ebenfalls zur Kühlung beitragen.
 

Smarte Fenster

Ein weiterer wichtiger Aspekt „sind Größe und Positionierung der Fenster“, sagt Peter Haftner, fachlicher Leiter der Energieberatung NÖ. Große Fenster würden zwar wegen des Lichteinfalls von vielen geschätzt, tragen aber im Sommer zur Überhitzung bei. „Besonders kritisch sind Fenster an der Westseite. Dort steht die Sonne schon tiefer und kann daher lang und weit in den Raum hinein scheinen“, erklärt Haftner. Um die Hitze draußen zu halten, rät er in jedem Fall zu Außenbeschattung, im Idealfall mit verstellbaren (Holz-)Lamellen, die Licht hineinlassen, aber die Strahlung reflektieren. Auch eine Wärmedämm- oder Sonnenschutzverglasung hält die Hitze draußen. Darüber hinaus leisten Markisen sowie vorgezogene Dächer, Balkone oder Pergolen einen wichtigen Beitrag zu angenehmen Temperaturen in den vier Wänden. Gleiches gilt natürlich für Laubbäume.

»Besonders kritisch sind Fenster an der Westseite. Dort steht die Sonne schon tiefer und kann daher lang und weit in den Raum hinein scheinen.«

Peter Haftner

Energieberatung NÖ

Kluges Bauwerk

Darüber hinaus puffern massive Bauteile aus Beton, Ziegel oder Holz sowie eine gute Dämmung, besonders des Dachbodens, Temperaturspitzen ab und stabilisieren die Innenraumtemperaturen. Die Bauteilaktivierung nutzt die Speichermasse von massiven Wänden, Decken oder Böden zur Temperaturregulierung. Dazu werden Rohrleitungen aus Kunststoff in den Bauteilen verlegt, durch die kaltes Wasser zum Kühlen beziehungsweise heißes Wasser zum Heizen fließt. Gleiches gilt für begrünte Fassaden und Dächer, wie Claus Hollweck von Die Umweltberatung weiß. Die Pflanzen würden laufend Wasser verdunsten, wodurch der Umgebung Wärme entzogen wird. Der kühlende Effekt gilt aber nicht nur für das Innere: Studien zeigen, dass begrünte Fassaden, vor allem wenn sie hinterlüftet sind, die gefühlte Temperatur in der Nähe um bis zu 13 Grad senken können.

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