Tisch für vier

Lokalkritik im Stuwer: Mittagstisch für Rechtsgelehrte et al.

Stuwer am Schottentor
Stuwer am SchottentorChristine Pichler
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Die innerstädtische Dependance beim Schottentor bietet Stuwer-Klassiker wie Langos, ein preiswertes Mittagsmenü – und wolkengleichen Kaiserschmarrn.

Ja, geht’s denn hier zum Termin bei der Zahnärztin oder doch ab in die Kanzlei? Wenn man nicht schon mit dem Vorgängerrestaurant Hebenstreit vertraut gewesen ist, läuft man Gefahr, sich in der neuen Stuwer-Dependance ins Klo zu verirren. Zweimal ums Eck vom Juridicum in einem unauffälligen Häusereingang hat sich das Wirtshaus, das man schon im ­Stuwerviertel lieben gelernt hat, nun ein externes Wohnzimmer eingerichtet. Ein wenig Kunst an den Wänden, ein paar hübsche Lampen, ein wenig Chaos hinter der Bar. 50 Gäste haben in der Stube mit kleiner Eckküche Platz, besonders zu Mittag sieht man sich umringt von jüngeren bis älteren Juristen, die sich über das preiswerte Mittagsmenü freuen.

Stuwer am Schottentor
Stuwer am SchottentorChristine Pichler

Wirtshausklassiker

Elisabeth Hauser war einst Teilhaberin des Hebenstreit gewesen, bevor sie im Stuwer zur Restaurantleiterin wurde. Nachdem sich der bisherige Hebenstreit-Betreiber in den Ruhestand zurückzieht, haben sie und Stuwer-Wirt Roland Soyka just den innerstädtischen Standort übernommen. Gemeinsam schupfen sie den Laden, bereiten von hier aus etwa auch Caterings vor. Derweil ist das Personal knapp, deshalb bleibt wochenends noch zu und das Angebot überschaubar. Die kleine Karte — die eben auch noch erweitert werden soll — führt einige Stuwer-Klassiker, die Langos-Varianten etwa, die ob der Ferne zum Prater hier ein wenig befremden, die hausgemachte Bouillon vom Bio-Rind mit Einlage, das handgeschnitte Beef Tatar mit Schwarzwurzelcreme und Brioche, das Wiener Schnitzel vom Kalb mit Erdäpfel-Vogerl-Salat.

Besonders beliebt um diese Zeit und eine Hürde beim Reservieren ist das Gansl (34,50 Euro): knusprige Haut, weiches Fleisch, viel Saftl und dazu butterweiche Erdäpfelknöderl und süßestes Rotkraut mit Quitte. Dick und herzhaft fällt das Hirschragout (29,50) aus — süß die Soße, leicht herb das Fleisch — dazu gibt es die gefühlt speckigsten Linsen in ganz Wien und schöne Semmel­knödel. Toll aber auch die saisonal-vegane Option auf der Karte: knusprige Maul­taschen gefüllt mit Steinpilzen in einem fruchtig-orientalischen Kürbisgemüse, darüber Lauchasche für ein wenig Extrawürze (18,50). Und einen Stuwer-Klassiker kann man einfach nicht auslassen, egal wie voll man nach den durchaus üppigen Hauptspeisen sein sollte: den wolkengleichen Kaiserschmarrn mit großzügig Rum und Zwetschenkenröster (11,50). Da bleibt nichts zu bekritteln. 

Info

Stuwer, Rockhgasse 1, 1010 Wien, Tel.: +43/(0)1/533 76 87, Restaurant: Mo–Fr: 11.30–14.30 und 17.30—23 Uhr. Mehr Kolumnen auf: DiePresse.com/lokalkritiken

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