Tisch für vier

Lokalkritik im Le Petit Jeudi: der „Anti Dinner Breakfast Club“

 Le Petit Jeudi
 Le Petit JeudiChristine Pichler
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Die ehemalige Wohnküche wurde zum Le Petit Jeudi – mit einem eigenwilligen Konzept: dem Casual Fine Brunching. 

Man soll ja bescheiden sein, aber: Dass man die Erste ist, die den Lokalnamen geknackt hat, macht doch ein bisschen stolz: Le Petit Jeudi ist nämlich offenbar ein Wortspiel mit dem Nachnamen des Chefs: Paul Schödl. Dass die Woche hier immer am Donnerstag beginnt, passt auch dazu. Genauso wie die Tatsache, dass man sich als französisch inspiriertes Bistro begreift, auch wenn diese Einflüsse nicht gar so ins Auge springen. Elegant ist es hier auf jeden Fall, besonders im Kontrast zur Gegend: Rund um den Gaußplatz lassen sich zwar nach und nach auch Gentrifizierungstendenzen erkennen. Was das Essen angeht, dominiert hier aber doch Döner Kebab in schreienden Farben. Ein erstes, etwas feineres Lokal hat hier an einer Ecke Andreas Brunner mit seiner Wohnküche etabliert. Weil er aber offenbar keine Lust mehr auf die Gastronomie hatte, Stichwort Familienfreundlichkeit und so, hat nun Schödl übernommen, der vormals im nur ein paar Hundert Meter entfernten Weinbistro Mast gekocht hat. In seinem neuen Lokal gibt’s jetzt Casual Fine Dining – nur halt ohne Dining: Um spätestens 19 Uhr ist Schluss.

 Le Petit Jeudi
 Le Petit JeudiChristine Pichler

Casual Fine Brunching nennt man die Idee laut Homepage oder – am T-Shirt des Servicemannes noch einmal etwas ­prägnanter: Anti Dinner Breakfast Club. Der Fokus liegt auf Frühstück und Mittagessen, ein After-Work-Drink oder Apéro mit ein, zwei Gängen würde sich auch noch ganz gut ausgehen. Wer hier frühstücken will, kann das ganz traditionell tun: mit Brot, Schinkenteller, Croissant und Marmelade, dazu zum Beispiel japanischen Kräutertee. Man hat aber auch die Auswahl aus einigen ausgefalleneren Eiergerichten: Stundenei mit frittierten Austernseitlingen und Karfiolcreme zum Beispiel (12 Euro) oder Rührei mit würziger Salsiccia auf englischem Muffin: kräftig-deftig, mit hauchdünnen Fenchelhobeln als feinem Kontrast (13). Vorspeisen – falls es so etwas beim Fine Brunching gibt –wären Beef Tatar (13) oder ein Tellerchen mit Hokkaido, Mandarine, Burrata und Haselnuss: sehr schöne Kombination aus süß und sauer, weich und knackig (9). Die Erdäpfelwaffel ist superfluffig, die Kombination mit den Kohlsprossen nicht jedermanns Sache (12). Das in Butterschmalz gar gezogene Goldforellenfilet mit einer mollig-säuerlichen Räucherfischbearnaise wird dagegen nicht nur dem französischen Touch gerecht: Es ist schlichtweg fantastisch (16), eine fein ­kuratierte Weinkarte gibt es ebenfalls. ­Insgesamt: sehr feine Sache – aber ob die Idee des Fine Brunch aufgeht? Zu ­wünschen wär’s ihnen! s

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 Le Petit JeudiChristine Pichler

Info

Le Petit Jeudi, Traunfelsgasse 1, 1200 Wien, Restaurant: Do–Sa: 9–19 Uhr, So–Mo: 9–15 Uhr. Mehr Kolumnen auf: DiePresse.com/lokalkritiken

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