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Pankahyttn: Rufe nach zweitem Haus

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Die Pizzeria-Anarchia-Bewohner sind vorübergehend in der Pankahyttn untergekommen. Die Bewohner dort schlagen Alarm. Das Haus sei übervoll, ein zweites müsse her.

Wien. Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da wurden sie von der Polizei aus dem Haus gezerrt, die 19 Besetzer der Pizzeria Anarchia in der Mühlfeldgasse 12, die Ende Juli ihr seit zweieinhalb Jahren besetztes Haus räumen mussten. Der Einsatz wurde scharf kritisiert: Nicht nur, weil zur Räumung das Aufgebot von 1500 Polizisten (der Großteil davon war laut Polizei in Bereitschaft) notwendig war, sondern auch, weil die Besitzer des Hauses, die Castella GmbH, die Besetzer angeblich ins Haus geholt hatten, um die ursprünglichen Mieter daraus zu vertreiben.

Mittlerweile ist (oberflächlich) wieder Ruhe rund um die Pizzeria Anarchia eingekehrt, die 19 Hausbesetzer, die von der Polizei festgenommen wurden, sind wieder auf freiem Fuß – und die Grünen haben eine parlamentarische Anfrage zu einem Personalvertreter eingebracht, der bei der Räumung in Privatkleidung, mit Pistole und Eisernem Kreuz im Ohr, Polizisten mit Verpflegung versorgt hat.

Doch erledigt ist der Fall damit nicht. Die Pizzeria-Anarchia-Besetzer sind durch den Einsatz heimatlos geworden. Ein Großteil wurde zwar von den Bewohnern der befreundeten Pankahyttn aufgenommen – doch auf Dauer ist das wohl keine Lösung.

Die Pankahyttn sei übervoll, weil doppelt so viele Personen als sonst dort wohnen, erzählt Punkerin Lotte. Offiziell gemeldet sind nur 17 Bewohner, Lotte schätzt die Anzahl der Bewohner derzeit auf rund 40. Die Gäste würden auf Matratzen und Sofas schlafen, manchmal teilten sich drei Personen ein Zimmer, sagt Lotte, die seit Eröffnung in der Pankahyttn wohnt. Das Haus in der Johnstraße 45 im 15. Bezirk besteht seit 2007 und wird von Wieder Wohnen als eine Art betreutes Wohnen für Punks betrieben. Das heißt, das Haus gehört dem Fond Soziales Wien (FSW), die Punks zahlen Miete, es sind aber 24 Stunden Sozialarbeiter oder Betreuer vor Ort, die die Punks auf Wunsch im Alltag (etwa bei Behördengängen) unterstützen.

„Versautes Mietrecht“

In einem Schreiben an die Medien fordern die Pankahyttn-Bewohner jetzt eine Lösung für die vielen Bewohner im Haus. Gefordert wird ein zweites Haus: „Es ist eine Frechheit, dass wir die Rechnung für ein versautes Mietrecht und eine politisch inkompetente Stadt zahlen sollen“, heißt es in dem E-Mail. Und: „Um die Kosten, die die Räumung des Hauses Mühlfeldg. 12 verursacht hat, wäre es möglich gewesen, das Haus zu kaufen! Wir fordern die Gemeinde Wien auf, schnellstens ein geeignetes Haus zur Verfügung zu stellen.“

Weiters fordern die Punks – wie schon oft – ein Nutzungsrecht für leer stehende Häuser („Besetzungsparagraph“) und die Enteignung von Immobilienbesitzern, „die sich über die Gesetze hinwegsetzen“. Beim FSW hört man von dem Wunsch nach einem zweiten Haus auf Nachfrage der „Presse“ das erste Mal – und winkt ab.

„Wir können nicht jeder Gruppe, die gerne ein Haus hätte, eines kaufen“, sagt Sprecherin Iraides Franz. Sie bestätigt, dass derzeit einige ehemalige Pizzeria-Anarchia-Besetzer in der Pankahyttn schlafen. „Das sind aber Gäste, sie zahlen keine Miete und haben mit dem FSW keinen Vertrag“, sagt Franz. Illegal sei das nicht. Die Pankahyttn-Bewohner könnten jederzeit Gäste bei sich schlafen lassen, sagt Franz.

Nur, die scheinen das gar nicht zu wollen – auch wenn man versichert, dass die Besucher so lange bleiben könnten, bis man eine Lösung gefunden hätte.

Aber was passiert, wenn die Stadt Wien keine Lösung findet? Steht dann wieder eine Hausbesetzung an? Das kann Lotte, die betont, nur für die Pankahyttn zu sprechen, nicht sagen: „Ich weiß nicht, was die von der Pizzeria Anarchia vorhaben: Aber soweit ich weiß, wollen sie schon wieder ein Haus.“

Auf einen Blick

Einsatz. Ende Juli räumte die Polizei mit einem Großeinsatz von 1500 Beamten das von Punks besetzte Haus Pizzeria Anarchia in der Mühlfeldgasse 12 im zweiten Bezirk. Die Besetzer sind seither wohnungslos und wurden zum Großteil von den Bewohnern der Pankahyttn im 15. Bezirk aufgenommen. „Dieser Zustand übersteigt unsere räumlichen Möglichkeiten“, schreiben diese in einem E-Mail an die Medien. Sie fordern nun ein geeignetes Haus für die Besetzer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2014)