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Glühbirne und Staubsauger sollen für uns Energie sparen

Clemens Fabry
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Bis 2020 will die EU ihre Energieeffizienz um 20 Prozent steigern und so 550 Milliarden Euro an Energiekosten sparen. Brüssel setzt auf effizientere Produkte – und macht sich damit wenig Freunde.

 „Die preisgünstigste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen“, werben die EU-Energiekommissare nun schon seit Jahren. Kein Wunder, dass das Thema Energieeffizienz auch in ihrem Papier zur Energieunion eine zentrale Rolle einnimmt. Klare Ziele zur Verringerung des Energieverbrauchs gibt es in der Union schon lang.

Seit 2007 gilt die Vorgabe für alle Mitgliedsländer, den prognostizierten Energieverbrauch bis zum Ende des Jahrzehnts um zwanzig Prozent zu verringern bzw. die Energieeffizienz um ein Fünftel zu erhöhen. Das entspricht der Außerbetriebnahme von 400 Kraftwerken auf dem Kontinent. Die größten Hebel rechnet sich Brüssel bei der Energieeffizienz von Gebäuden aus. Eine Senkung des Energieverbrauchs um 30 Prozent gilt hier als realistisch.

Nicht, dass Europa bis dahin untätig gewesen wäre. Die europäische Industrie verbesserte ihre Energieintensität von 2001 bis 2011 um 19 Prozent. Neubauten kommen mit halb so viel Energie aus, wie Häuser aus den 1980er-Jahren. Um die ambitionierten Klimaziele der EU zu erreichen, ist das allerdings zu wenig.

Im Herbst 2014 einigten sich die Staats- und Regierungschefs daher auf ein weiteres Effizienzsteigerungsziel von 27 Prozent bis 2030. An diesem zweiten Richtwert gibt es allerdings scharfe Kritik. Er sei deutlich niedriger ausgefallen als notwendig, meinen etwa die Grünen. Und: Anders als das CO2-Reduktionsziel der EU ist die Pflicht zum Stromsparen bis 2030 nicht wirklich bindend.

Auch bei der Umsetzung der bisherigen Vorgabe bis 2020 sind die Fortschritte (und das Engagement) der einzelnen Mitgliedsländer sehr unterschiedlich. Etliche Staaten wie etwa Deutschland hinken bei der Umsetzung hinterher, Vertragsverletzungsverfahren stehen im Raum.

 

Affäre um Glühbirne und Staubsauger

Wichtigstes Vehikel, um dem Energieeffizienz-Ziel näherzukommen, ist daher die sogenannte Ökodesign-Richtlinie. In ihr schreibt die Kommission vor, wie bestimmte Produkte gestaltet sein müssen, um die Umwelt zu entlasten. Das Sparen von Energie ist hier nur eines, jedoch ein sehr bedeutendes Kriterium.

Die Richtlinie scheint zu wirken. Bis 2020 wird sie bei den betroffenen Produkten zu Energieeinsparungen von 18 Prozent führen, bescheinigt eine Studie der Kommission. Der Erfolg der Richtlinie sorgt in Teilen der Bevölkerung allerdings für Entrüstung. Gut in Erinnerung ist noch das „Glühbirnenverbot“. Mit Hamsterkäufen wehrten sich manche Europäer gegen das Verschwinden der ineffizienten Birnen, die 95 Prozent des Stroms in Wärme umwandeln und nur fünf Prozent in Licht. Mittlerweile sind die Wogen geglättet, und sparsamere LEDs und Energiesparlampen haben die alten Glühbirnen aus den Regalen verdrängt.

 

111 Milliarden für die Konsumenten

Aber auch andere Vorschriften aus der Ökodesign-Richtlinie sorgen für Aufregung. Neu gekaufte Kaffeemaschinen mit Isolierkannen müssen sich nach wenigen Minuten eigenständig ausschalten, Kühlschränke und Geschirrspüler haben neue Energiesparauflagen zu erfüllen. Und ab dem kommenden Jahr dürfen nur noch Staubsauger in den Handel kommen, die nicht mehr als 900 Watt verbrauchen. Die Sorge vieler Konsumenten, dass darunter die Saugleistung leiden könnte, sei vollkommen unbegründet, beruhigen Experten. Dennoch schafft es das Thema immer wieder aufs Neue in die Schlagzeilen des Boulevards. Brüssel nimmt die Negativmeldungen in Kauf und hält mit nackten Zahlen dagegen: Allein die Ökodesign-Richtlinie bringe den europäischen Konsumenten bis 2020 Einsparungen in der Höhe von 111 Milliarden Euro, gleichzeitig stiegen die Einnahmen für Industrie und Handel um 55 Milliarden. Zehn Jahre später wären diese Effekte dann noch einmal um die Hälfte angewachsen.

Optimistischen Schätzungen zufolge könnte ein sparsamerer Umgang mit Energie der EU 552 Milliarden Euro im Jahr sparen. Die Gasimporte würden sich um 40 Prozent verringern, heißt es in einem Bericht der Kommission. Und mit ihnen die Abhängigkeit von Russland. Im Gegenzug werde die regionale Bauwirtschaft durch den Anschub bei der thermischen Sanierung belebt. Voraussetzung für dieses Szenario: die Steigerung der Energieeffizienz um 40 Prozent. Davon ist freilich keine Rede (mehr). Die Hälfte ist bis 2020 geplant – und schon damit tut sich die EU schwer, wie die Kommission selbst einräumt. Sie hält eine Verbesserung von 18 bis 19 Prozent für realistisch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2016)