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Causa Buwog: Kronzeuge in der Defensive

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Am Sonntag wurde Michael Ramprecht zur Causa Buwog vom Staatsanwalt einvernommen. Der „Presse“ erklärt der einstige Mitarbeiter von Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser, wieso er erst jetzt ausgesagt hat.

Sein Handy hat er abgeschaltet. Seit Montag hatte es pausenlos gebimmelt – ganz zu schweigen von den hunderten Kurznachrichten, die eingegangen sind. Michael Ramprecht ist das alles zu viel geworden. „Ich möchte nur meine Ruhe haben“, sagt er.

Die wird ihm wohl so bald nicht vergönnt sein. Ramprecht ist Kronzeuge in der Causa Buwog: Am Sonntag ist er drei Stunden lang vom zuständigen Staatsanwalt Norbert Haslhofer einvernommen worden. Ihm gegenüber hat er alle zuvor im Nachrichtenmagazin „Profil“ gemachten Aussagen wiederholt – diesmal allerdings unter Wahrheitspflicht. Ramprecht, ehemaliger enger Mitarbeiter von Finanzminister Karl-Heinz Grasser,sagte aus, dass die 2004 erfolgte Privatisierung der Wohnbaugesellschaften des Bundes „ein abgekartetes Spiel“ gewesen sei. Dass Buwog-Aufsichtsratspräsident und Grasser-Intimus Ernst Karl Plech ihm offen gesagt habe, dass der Finanzminister beim Verkaufsprozess die Investmentbank Lehman Brothers wünsche. Und dass von Anfang an klar gewesen sei, dass die Immofinanz den Zuschlag für die Buwog erhalten solle.

Seitdem gehen im Land die Wogen hoch. Wobei wieder einmal ein interessantes Phänomen zu beobachten ist: Nicht nur Grasser, für den selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt, fühlt sich ins Eck gedrängt – am Dienstag hat er in einer eilends einberufenen Pressekonferenz kundgetan, dass er „ein supersauberes Gewissen“ habe. Nein, auch der Kronzeuge selbst wird angefeindet.

Da hat KHG ganze Arbeit geleistet. Er hat Ramprecht öffentlich als „Lügner“ bezeichnet, er hat Ramprecht Rache wegen eines verlustig gegangenen Jobs vorgeworfen, er hat Journalisten aufgefordert: „Vergessen Sie einfach, was der sagt.“ Und er hat behauptet, von Ramprecht jahrelang erpresst worden zu sein. Der hat deswegen übrigens Anwalt Leopold Specht beauftragt, Klage gegen Grasser wegen übler Nachrede einzubringen.

Trotzdem scheinen Grassers massive Attacken in der Öffentlichkeit durchaus Wirkung zu haben: Kein Gespräch, in dem nicht reflexartig die Glaubwürdigkeit Ramprechts angezweifelt wird. Keine Diskussion, in der nicht über Ramprechts „durchsichtige Motive“ gemauschelt wird. Der Kronzeuge ist vielen irgendwie suspekt.

Und so nehmen die Dinge ihren Lauf: Eine Boulevardzeitung ätzte diese Woche darüber, dass Ramprecht bis zum Frühjahr 2008 Geschäftsführer des Kindertempels „Minopolis“ war – der dann in finanzielle Troubles schlitterte. Jetzt sei er Chef eines Baumaschinenunternehmens in Kärnten – „noch“, wie süffisant hinzugefügt wurde. Eine einigermaßen kühne These angesichts der Tatsache, dass die Firma Ramprecht gehört.

Und wie geht es Michael Ramprecht angesichts dieser plötzlichen Prominenz? „Mir geht es gut“, sagt er. Der Staatsanwalt habe ihn ohnehin gewarnt, „dass mir jetzt jedes Strafmandat, das ich einmal bekommen habe, vorgeworfen werden wird“. Blöd sei nur, dass seine Frau „sauer“ auf ihn sei.


Womit auch die Frage, wieso er nicht schon viel früher auf die angeblichen Missstände rund um die Buwog-Privatisierung aufmerksam gemacht hat, beantwortet wäre: „Meine Frau und mein Bruder haben mich seinerzeit angefleht, die Sache auf sich beruhen zu lassen.“ Beide waren damals bei Immobilienunternehmer Plech beschäftigt. „Mir ist die Sache einfach zu steil gewesen“, sagt Ramprecht. Und: „Es war eigennützig, das gebe ich zu. Ich habe auch um meinen Job gefürchtet.“

Sein Job – Ramprecht war damals Geschäftsführer der Bundesbeschaffungs GmbH (BBG). Mitte 2001 wurde er dorthin entsandt, zuvor war er ein gutes Jahr im Kabinett von Grasser gewesen. „Das war eine wirklich tolle Zeit, die ich nicht missen möchte“, erzählt Ramprecht heute. Grasser, den er kennen gelernt hatte, als er beim Klagenfurter Kulturstadtrat Walter Gassner arbeitete, holte ihn 2000 als Budgetexperten in sein Kabinett. Und Ramprecht himmelte seinen Chef regelrecht an: „Er war mein großes Vorbild. Er hat uns allen das Gefühl vermittelt, dass wir in dem Land wirklich etwas bewegen können.“

Dann wurde Ramprecht BBG-Geschäftsführer – und Grasser bat ihn, die Buwog-Privatisierung weiter zu betreuen. Der Anfang vom Ende einer freundschaftlichen Beziehung, erzählt Ramprecht: „Mit mir hat Grasser überhaupt nicht mehr geredet, seine Wünsche sind mir von Plech ausgerichtet worden.“ Ramprecht soll deshalb immer wieder getobt haben, Plech soll ihn sinngemäß aufgefordert haben, sich zusammenzureißen. Und Ramprecht tat schließlich, was von ihm erwartet wurde.

2006 wurde Ramprechts BBG-Vertrag nicht verlängert. Grasser begründet das heute damit, dass der Grüne Peter Pilz eine Parlamentarische Anfrage zu Ramprecht gemacht hat: Pilz warf Ramprecht vor, ohne Gewerbeschein als Immobilienmakler aufgetreten zu sein. Nur: Pilz machte die Parlamentarische Anfrage schon im Jahre 2004. Ramprecht musste die BBG erst 2006 verlassen. Weil er unbequem geworden war?

Ramprecht über seinen BBG-Abgang: „Ich habe monatelang gelitten wie ein Schwein. Offiziell ist mir ja nichts mitgeteilt worden, ich habe durch Zufall davon erfahren, dass mein Vertrag nicht verlängert wird.“

An das Grasser-Kabinett schrieb er daraufhin: „Seid in der nächsten Zeit ganz nett und ganz, ganz fair zu mir. Ich bin ein angeschossenes Raubtier (...). Ich habe vor niemandem, aber wirklich niemandem Angst, fühle mich in hohem Maße ungerecht behandelt, habe einen ausgezeichneten Job gemacht, und wenn ich in der Richtung noch einmal schlecht recherchierte Aussagen höre, werde ich ganz, ganz unangenehm werden.“ Damit gewinnt man natürlich keinen Sympathiewettbewerb.

Ramprecht sagt: „Ich stehe dazu. ich war einfach sehr gekränkt.“ Jedenfalls wurden die E-Mails von den Adressaten (zufälligerweise?) aufgehoben und jetzt den Medien zugespielt.

Warum hat Ramprecht die Vorwürfe rund um die Buwog-Privatisierung nach seinem BBG-Abgang nicht öffentlich gemacht? „Da hätte mir doch erst recht jeder vorgeworfen, einen Rachefeldzug zu führen“, sagt er. Außerdem sei er seiner Frau im Wort gewesen, in der Sache nicht von sich aus aktiv zu werden. Die Aussagen im „Profil“ habe er nur getätigt, weil er vom Magazin angerufen wurde – unter Zusicherung seiner Anonymität.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2009)