"Kurier"-Herausgeber: Türkis-Blau führt zu "autoritärer Republik"

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Helmut Brandstätter ist Herausgeber des "Kurier". (Archivbild)(c) imago/Future Image (imago stock&people)

Helmut Brandstätter, früherer Chefredakteur des „Kurier“, heute Herausgeber, geht in einem neuen Buch mit Sebastian Kurz und Herbert Kickl hart ins Gericht.

"Kurier"-Herausgeber Helmut Brandstätter warnt in seinem neuen Buch vor einem "autoritären Staat" - befeuert durch die Ex-Innenminister Herbert Kickl zugeschriebene Politik der Angst und das Machtstreben von ÖVP-Chef und Altbundeskanzler Sebastian Kurz. Mit beiden Politikern geht der Journalist hart ins Gericht. Sollte das Innenministerium im Herbst wieder der FPÖ zufallen, befürchtet er eine Fortsetzung dieses Weges.

"In Wirklichkeit war diese Regierung der Beginn des Weges in eine autoritäre Republik", bilanziert Brandstätter gleich eingangs die eineinhalb Jahre Türkis-Blau. Wer aus seiner Sicht dafür verantwortlich ist, steht schon im Titel des Buches: "Kurz & Kickl: Ihr Spiel mit Macht und Angst". Wobei er Kickl als den Stratege beschreibt, den Kurz gewähren ließ, um selbst im Kanzleramt bleiben zu dürfen. Denn: "Sebastian Kurz wollte die Macht um jeden Preis."

Brandstätter: Kurz wollte Kickl-Abgang wegen Bedrohung für ÖVP

Zur Beweisführung listet Brandstätter noch einmal das ganze Sündenregister auf, mit dem Kritiker den abgesetzten Innenminister seit Monaten konfrontieren: ein "Klima der Angst" im Polizeiapparat, den "schleichenden Putsch" im Verfassungsschutz und den Versuch, kritische Medien von Informationen abzuschneiden.

Dass die ÖVP schließlich die Reißleine zog, war nach Brandstätters Darstellung nicht etwa dem "Ibiza-Video" geschuldet. Vielmehr mutmaßt der Autor, dass Kurz die Ablöse des Innenministers forderte, weil sich die ÖVP selbst bedroht gefühlt haben könnte - etwa durch Kickls Versuch, ihm loyale Einheiten beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, dem BVT also, und der Polizei aufzubauen, darunter eine eigene Polizeitruppe unter Führung blauer Personalvertreter ("Verbindungsdienst Bundesregierung"), die den Personenschutz für FPÖ-Minister übernahm.

Kurz' Machtstreben „nie durch inhaltliche Überzeugungen eingeschränkt“ 

Als Bollwerk gegen autoritäre Tendenzen sieht Brandstätter den ÖVP-Chef ohnehin nicht, eher im Gegenteil: Er erinnert daran, dass Kurz noch im Wahlkmapf 2017 mit dem damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache darum rangelte, wer denn nun den besseren Draht zu Ungarns Premier Viktor Orbán habe. "Das Streben nach Macht wirkt bei Kurz auch deshalb so ausgeprägt, weil es nie durch inhaltliche Überzeugungen eingeschränkt war", bilanziert Brandstätter wenig schmeichelhaft.

Dies gilt aus Sicht des "Kurier"-Herausgebers insbesondere für Kurz' Umgang mit Medien. Durch "brutalen Druck und penetrante Interventionen" versuche der ÖVP-Chef gemeinsam mit seinen Pressesprechern die Medien auf Linie zu bringen und greife gerne auch selbst zum Telefon, wie es im Buch heißt: "Überall dieselbe Botschaft, dieselben Formulierungen. Und wo nicht gespurt wird, erhalten Vorgesetzte und Eigentümer deutliche Anrufe."

Bekommt Brandstätter Neos-"Wildcard"?

Den Weg zum autoritären Staat sieht Brandstätter durch das vorläufige Ende der Koalition daher zwar unterbrochen, aber nicht notwenigerweise beendet. Er warnt insbesondere davor, der FPÖ im Herbst wieder das Innenministerium anzuvertrauen: "Kickl will das wieder werden. Noch sagt die ÖVP Nein dazu. Aber auch ein ihm Ergebener könnte sein Werk fortsetzen."

Brandstätter wurde im Vorjahr von Martina Salomon als Chefredakteur des „Kurier“ abgelöst. Seither ist er als Herausgeber der Zeitung tätig. Zuletzt wurde Brandstätter als möglicher Überraschungskandidat der Neos gehandelt, wie „Die Presse“ berichtete. Deren „Wildcard“-Kandidat soll in der nächsten Zeit präsentiert werden.