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"Tutto Chiuso": Italien fährt Produktion herunter

imago images/Pacific Press Agenc
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Weitere Teile der Wirtschaft stoppten am Montag wegen der Pandemie die Arbeit. Die Industriellenvereinigung rechnet mit Verlusten von 100 Milliarden Euro.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, müssen in Italien seit Montag weitere Teile der Wirtschaft ihre Arbeit stoppen. Die Regierung hatte am Wochenende beschlossen, dass die nicht-lebenswichtige Produktion heruntergefahren werden soll. Allerdings erließ das Kabinett in dem am Sonntag unterschriebenen Dekret auch eine lange Liste von Ausnahmen vom Verbot.

Mit Verlusten von 100 Milliarden Euro rechnen die italienischen Industriellen. „Mit dem Produktionsstopp beginnt für Italien eine Zeit der Kriegswirtschaft", sagte Industriellenchef Vincenzo Boccia im Interview mit dem Radiosender „Radio Capital“ am Montag. Vieles hänge jedenfalls von der Dauer des Produktionsstopps ab. „Sind es nur zwei Wochen ist es eine Sache. Werden es Monate, dann werden die Schäden gravierend sein", erklärte der Industriellenchef. 

Trotz der neuen Verbote arbeiten darf unter anderem die Lebensmittel- und Transportbranche sowie die Entsorgungs- oder Energieindustrie. Auch Betriebe aus den Bereichen Medizin, Chemie, Plastik, Tierfutter und vieles mehr dürfen weitermachen. Post, Banken und ähnliche Dienstleister bleiben ebenfalls offen. Ein Teil der Betriebe, die schließen müssen, erhielt eine Übergangsfrist bis Mittwoch.

Laut Nachrichtenagentur ANSA hatten Wirtschaftsvertreter vor zu drastischen Schließungen gewarnt. Gewerkschaften dagegen drohten mit Streiks, weil die Arbeitnehmer bei der Arbeit nicht genug vor Ansteckung geschützt seien.

Die Zahl der Coronavirus-Todesopfer und der Infizierten in Italien ist erneut rasant angestiegen. 651 mehr Todesopfer als am Vortag wurden am Sonntag gemeldet. Der Zuwachs ist allerdings geringer als am Samstag, als die Zahl der Todesopfer um ein Rekordhoch von 793 gestiegen war.

Immer noch viele Tote

Die Bilanz der Todesopfer überschritt somit die 5000-Marke und stieg auf 5476, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Die Zahl der Infizierten stieg auf 46.638, das sind 3957 mehr als am Samstag. Auch die Zahl der neu angesteckten Personen stieg etwas langsamer als am Samstag. 7024 genesene Patienten wurden verzeichnet. 3009 Personen befinden sich auf der Intensivstation, weitere 23.783 Infizierten sind in Heimisolierung. Italien ist das weltweit am stärksten von der Coronavirus-Epidemie betroffene Land.

In der Lombardei, der innerhalb des Landes am stärksten betroffenen Region, wurden um 361 Todesopfer mehr verzeichnet (insgesamt 3456). Die Zahl der Infizierten kletterten auf 17.885. 1.142 Menschen befinden sich auf der Intensivstation. Nach der Lombardei sind nach wie vor die Emilia Romagna und Venetien die am stärksten betroffenen Regionen.

"Wir hoffen, dass der Rückgang bei der Zahl der Todesopfer und der Infizierten in den nächsten Tagen anhält, wir müssen aber im Kampf gegen die Epidemie nicht nachlassen", sagte Zivilschutzchef Angelo Borrelli bei einer Pressekonferenz in Rom.

(APA)