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Lohnverhandlungen

Warnstreik bei Metallern, aber alles noch im grünen Bereich

WARNSTREIK NACH DER ABGEBROCHEN 4. RUNDE DER METALLER-KV VERHANDLUNGEN
Am Mittwoch gab es bereits die ersten WarnstreiksAPA/ROBERT JAEGER
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Die vierte Verhandlungsrunde verlief im Sand. Nun gibt es erste Warnstreiks. Die Lohnverhandlungen der Metaller gestalten sich wie erwartet schwierig. Kein Ende in Sicht.

Es wäre ein Wunder gewesen, hätten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft bereits in der vierten Verhandlungsrunde über einen Metaller-Kollektivvertrag geeinigt. Zu weit lagen die Vorstellungen auseinander. Die Metaller fordern bekanntlich eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent. Die Arbeitgeber gingen mit 2,3 Prozent in die Nachtsitzung. Im Laufe eines 14-stündigen Verhandlungsmarathons erhöhten sie auf 2,75 Prozent. Zu wenig. Das Angebot sei „weiterhin unzureichend“, teilten die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA mit.

Seit gestern finden nun in 50 Betrieben erste Warnstreiks statt. Heute, Donnerstag, und morgen sollen diese intensiviert werden. In vier Runden gab es selbst in normalen Zeiten selten eine Einigung. Die große Ausnahme stellt das vergangene Jahr dar. Nach Pandemie und Lockdowns setzten die Sozialpartner ein Zeichen „großer Verantwortung“, wie es hieß. Binnen Stunden einigten sich sich auf 1,45 Prozent Lohnerhöhung. Den Arbeitnehmern wurde also gerade einmal die Inflation abgegolten.

Heuer ist alles anders. Die Wirtschaft dürfte um 4,4 Prozent wachsen, in den kommenden Jahren im Schnitt um 2,6 Prozent jährlich, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut kürzlich prognostizierte. Die Inflation könnte im Jahresschnitt bei etwa 2,8 Prozent liegen. Also will die Gewerkschaft dieses Mal eine ordentliche Lohnerhöhung. Dass die heimische Wirtschaft im Vorjahr um 6,7 Prozent eingebrochen ist, zählt nicht. Schließlich gab es auch für Unternehmen Milliarden an Staatshilfen. Nun sollen daran auch die Mitarbeiter partizipieren.
„Die wirtschaftlichen Kennzahlen zeigen seit Monaten steil nach oben. Wir fordern von den Arbeitgebern Angebote, die dieser Hochkonjunktur auch Rechnung tragen“, erklärten die Chefverhandler Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Dürtscher (GPA) in einer Aussendung.

„Reine Inszenierung“

Die beiden vertreten etwa 190.000 Beschäftigte, also gerade einmal fünf Prozent aller unselbstständig Beschäftigten in diesem Land. Und dennoch hängt von diesem Lohnabschluss so vieles ab. Denn der Metaller-KV ist traditionell ein Referenzwert. Fallen hier die Lohnerhöhungen üppig aus, dann dürfen auch die restlichen 3,6 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit entsprechenden Zuwächsen rechnen.

Das Match zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist (mit Ausnahme der Beamten) kaum wo so ausgeglichen. Das Spielfeld sind Industriebetriebe, wo der Einfluss der Gewerkschaft ungebrochen ist, wo Streiks leichter zu organisieren sind – und vor allem den Unternehmen auch weh tun. Und hier streiken keine Mitarbeiter in Teilzeit- und Billigjobs, hier streiken gut qualifizierte Facharbeiter.

Neben einer Erhöhung der Kollektiv- und Istlöhne um 2,75 Prozent bot die Metalltechnische Industrie eine deutliche Erhöhung der Lehrlingsentgelte und der Schichtzulage. „Wir waren heute abschlussbereit“, sagte der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), Christian Knill. „Die Gewerkschaften haben sich leider auf ein unrealistisches Forderungspaket festgelegt. Die wirtschaftliche Entwicklung lässt – wenn man vernünftig agiert – aber keinen höheren Abschluss zu.“

Trotz des Wirtschaftsbooms fürchten die Unternehmer Rückschläge. Kostenexplosionen, Lieferengpässe und nicht zuletzt die beunruhigende Entwicklung der Coronapandemie nähren die Befürchtung, dass die Krise längst nicht überwunden scheint. Auch könnte ein hoher Lohnabschluss eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, Inflation und Löhne könnten sich gegenseitig antreiben und das Wachstum bremsen. Eine Befürchtung, der derzeit von vielen Ökonomen nicht geteilt wird. Sie sehen die Teuerung nach wie vor als Folge der Lieferengpässe und des Mangels an Vorprodukten.

Fest steht: Der Ton zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird rauer. „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Metallindustrie werden sich einen fairen Abschluss ab sofort mit Arbeitsniederlegungen erkämpfen“, sagen die einen. „Die Warnstreiks sind deplatziert, verantwortungslos und reine Inszenierung“, die anderen.
Und die fünfte Verhandlungsrunde kommt bestimmt.