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Britische Monarchie

Die "gestohlenen" Kronjuwelen der Queen

Die "Imperial State Crown" ruht bei den Trauerfeierlichkeiten auf dem Sarg der Queen.
Die "Imperial State Crown" ruht bei den Trauerfeierlichkeiten auf dem Sarg der Queen.(c) APA/AFP/POOL/ODD ANDERSEN (ODD ANDERSEN)
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Mit dem Tod von Elizabeth II wurden Rufe aus ehemaligen Kolonialgebieten Großbritanniens laut. Gestohlene Diamanten würden etwa die bei den Trauerfeierlichkeiten präsente „Imperial State Crown“ zieren, sie sollen nun zurückgegeben werden.

Sie sind Zeichen der Macht und des Reichtums, und meistens mehr als nur Schmuckstücke: Die Diamanten der britischen Königin Elizabeth II. stecken voller Geschichte und Symbolik. Der Tod der Queen vergangene Woche, hat nicht nur eine Diskussion über postkoloniale Machtverhältnisse innerhalb des Commonwealth entfacht - auch die Kronen, Edelsteine und Insignien der britischen Monarchie sind ins Zentrum der Aufmerksamkeit gelangt. Die enorm wertvollen Edelsteine, die Kronen - denn davon gibt es nicht nur eine -  und Schmuck zieren, stammen freilich nicht aus Großbritannien, sondern aus aller Welt. Tatsächlich „gestohlen“, im rechtlichen Sinne des Wortes, wurden sie nicht. Dennoch landeten die Reichtümer aufgrund damaliger Machtverhältnisse meist relativ bald über private Minenbesitzer und Händler bei der Kolonialmacht Großbritannien. Sollen sie nun zurückgegeben werden?

Obwohl es dazu vonseiten des Palasts keine offiziellen Informationen gibt, ist davon auszugehen, dass mit dem Tod von Elizabeth II. die gesamten Kronjuwelen in den Besitz des jetzigen Königs, Charles III., übergegangen sind. Das wurde auch in den vergangenen Generationen der royalen Familie so gehandhabt. Welche Schmuckstücke umfasst diese Sammlung nun aber genau?

Die Kronjuwelen der britischen Monarchie

Zu den Kronjuwelen gehören die seit 1660 gesammelten zeremoniellen Schmuckstücke, sogenannte Insignien. Einige davon kommen einzig bei Krönungszeremonien zum Einsatz, etwa der Krönungsthron, diverse Schwerter und ein Zepter, das „St. Edwards Staff“ und die St. Edwards-Krone. Zu den Kronjuwelen gehören noch diverse andere Kronen, Banketteller, Medaillen, Taufschriften und Roben.

Im 18. und 19. Jahrhundert war es üblich, die Insignien aus Kostengründen nur für die Zeremonien mit echten, geliehenen Juwelen zu schmücken, danach wurden sie durch einfache Kristalle ersetzt. Mittlerweile zieren viele der wichtigen Sammlungsstücke echte Diamanten - diese stammen großteils aus ehemaligen Kolonien Großbritanniens.

Bei der Krönungszeremonie von Charles II. wird die Edwardskrone, die 1661 für die Krönung Karls II. angefertigt wurde, zum Einsatz kommen. Sie besteht aus Gold, Silber, Rubinen und Saphiren, wiegt mehr als zwei Kilogramm und wird dem Monarchen im Moment der Krönung aufgesetzt. Beim Verlassen der Kirche trägt er eine leichtere Krone. Sie ist mit 2868 Diamanten besetzt und wurde 1937 für die Krönung von Georg VI. geschmiedet. Diese Krone trug die Queen auch bei der jährlichen Eröffnung des Parlaments.

Der Kohinoor-Diamant

Kurz nach dem Tod Elizabeth II. begann der Kohinoor-Diamant auf Twitter zu trenden. Er ist über 400 Millionen Dollar wert und stammt ursprünglich aus Indien. Seit dem 13. Jahrhundert wechselte der zwischen indischem, afghanischem und persischem Besitz, oft auf sagenumwobene Art und Weise. In britischen Besitz ging er über, als Maharadscha Duleep Singh 1849 seinen gesamten Besitz der britischen Krone überlassen musste. Der Diamant wurde Queen Victoria als „Geschenk“ überreicht, und zierte zuletzt jene Krone, die die Mutter von Elizabeth II. zur Krönung ihrer Tochter trug.

Einer Recherche des Fernsehsenders „France24“ zufolge hatte sich die indische Regierung zuletzt 2016 dazu geäußert und erklärt, auf eine Rückforderung des Diamanten zu verzichten, da er ein freiwilliges Geschenk an Victoria gewesen sei.

Der „Große Stern Afrikas“

Ein weiterer, als „gestohlen“ bezeichneter Diamant ist der sogenannte „Große Stern Afrikas“, ebenfalls 400 Millionen Dollar wert, der das Krönungszepter von Queen Elizabeth zierte. Dieser Stein wurde 1905 in Südafrika entdeckt. In Großbritannien wird der Stein auch als Cullinan-Diamant bezeichnet, nach dem Besitzer der Diamantmine.

Auch dieser Stein wurde, Angaben des Palasts zufolge, 1907 dem damaligen König Edward VII. als Geschenk der damaligen Südafrikanischen Republik überreicht. Der Stein wurde in weiterer Folge in neun Teile geschnitten, einer davon zierte das Zepter Elizabeth II. Ein weiterer Teil soll die „Imperial State Crown“ zieren, das ist die Hauptkrone der britischen Monarchie und jene Krone, die während der andauernden Trauerfeierlichkeiten auf dem Sarg der Queen liegt. Die beiden Steine werden auch als Cullinan I und Cullinan II bezeichnet.

The Coffin Carrying Queen Elizabeth II Is Transferred From Buckingham Palace To The Palace Of Westminster
(c) Getty Images (Leon Neal)

Ähnliche Diskussionen gibt es rund um Steine, die ursprünglich aus dem Iran, Pakistan oder Afghanistan stammen.

Stolz des Königshauses?

Pikantes Detail am Rande - das 60-jährige Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. im Jahr 2012 wurde mit einer Ausstellung ihres Schmucks und ihrer Juwelen gefeiert. Damals waren mehr als 10.000 Diamanten zu sehen, eingefasst für Ketten, Ohrringe, Diademe, Schwerter und andere historische Stücke. Einige kleinere Steine, die dem „Großen Stern Afrikas“ entstammen, wurden für privaten Schmuck der Queen verwendet, auch sie wurden damals ausgestellt.

(chrima)