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Attilia Kiyoko Cernitori: "Ich bin keine böse Feministin"

Attilia Kiyoko Cernitori dirigiert gern Werke vergessener Komponistinnen.
Attilia Kiyoko Cernitori dirigiert gern Werke vergessener Komponistinnen.Carolina Frank
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Die 30-Jährige setzt sich sehr für Frauen ein, ist Frauenreferentin der ÖH.

Attilia Kiyoko Cernitori wuchs in Florenz auf und kam zum Cello-Studium nach Wien. „Einmal ging ich in den Musikverein und hörte ein Konzert von Marin ­Alsop mit dem São Paulo State ­Orchestra. Ich wusste davor nicht, dass Alsop eine Frau ist. Als ich sie am Pult sah, war ich begeistert. Das Konzert öffnete mir die Augen, dass Frauen auch Dirigentinnen sein können.“ Cernitori begann von null und schrieb sich für Orchesterdirigieren an der Universität für Musik und darstellende Kunst ein. Johannes Wildner wurde ihr Lehrer.„Eigentlich hatte ich schon als Kind den Wunsch, zu dirigieren.

Aber es gab keine Vorbilder, schon gar nicht im konservativen Italien.“ Jetzt, am Ende ihres Studiums, steht für Cernitori fest: „Ich will Dirigentin sein.“ Im März stand sie bei einem Konzert im Brahmssaal des Wiener Musikvereins am Pult. Vergangenen November führte sie im Rathaus von Florenz ein Werk auf, dass sie selbst komponiert hatte. Darin geht es um Gewalt gegen ­Frauen. „Das ist in Italien ein wichtiges Thema, jeden Tag liest man in der Zeitung, dass Männer Frauen töten. Und die Kunst ist so ein starkes Vermittlungswerkzeug, denn es wirkt direkt auf der emotionalen Ebene.“

Die 30-Jährige setzt sich sehr für Frauen ein, ist Frauenreferentin der ÖH. „Ich bin keine böse Feministin, aber Frauen waren in der klassischen Musik lang nicht zu erleben. Es kann nicht sein, dass es sie nicht gibt.“ In der Nationalbibliothek hat sie eine Partitur der Schönberg-Schülerin Vilma von Webenau ausgegraben, die sie dann im Marionettentheater Schönbrunn aufgeführt hat. Von starken Frauen bezieht sie auch ihr Motto: „Man muss seiner Leidenschaft folgen. Auch wenn andere sagen, das ist unmöglich.“

("Die Presse-Kulturmagazin", 12.04.2019)