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Atemschutzmaske kann Gesundheit gefährden

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Symboldbild(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Derzeit sind Mundschutzmasken in Österreich vergriffen. Dabei schützen sie gar nicht unbedingt vor Übertragung. Sie könnten sogar eine Infektion provozieren.

Die Dame mit Hund kommt lieber nicht zu nah an die Apotheker-Budel in der Innenstadt. „Nur eine kurze Frage. Haben Sie Atemschutzmasken?“, ruft sie von der Tür aus der Apothekerin zu. Diese hält kurz Rücksprache mit einem Kollegen, bis sich schließlich herausstellt: „Die kommen am Nachmittag.“

Die Dame in der Apotheke ist nicht die einzige, die dieser Tage nach den Mundschutzmasken (so die offizielle Bezeichnung) fragt – und nicht gleich eine bekommt. Die Nachfrage war – offenbar durch die Angst vor dem Coronavirus – zuletzt so hoch, dass die Masken in Österreichs Apotheken am Dienstag weitgehend vergriffen waren. Das bestätigte die Österreichische Apothekerkammer. Erst heute, Mittwoch, sollen sie wieder verfügbar sein. Was man früher also nur von asiatischen Touristen auf Flughäfen und im Ausland kannte, ist nun auch in Österreich angekommen.

„Wir empfehlen sie nicht"

Dabei bringen diese Masken offenbar gar nichts bis wenig. „Wir empfehlen sie nicht“, sagt ein Sprecher der Ages, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, zur „Presse“. Denn offenbar ist deren Nutzen gar nicht erwiesen. „Der wirkliche Nutzen aus hygienischer Sicht wird kontrovers beurteilt“, erklärt Franz Allerberger, Universitätsprofessor und Leiter des Bereichs Öffentliche Gesundheit in der Ages. Man könne nicht zeigen, dass die Verwendung dieser Masken außerhalb des Krankenhauses irgendeinen Effekt habe. Allerberger erklärt das in einem Video, das die Ages auf der Homepage veröffentlicht hat. Dort gibt auch umfassende Infos über die Übertragung und Symptome des Coronavirus sowie die Vorbeugung einer Infektion. Seit Kurzem gibt es auch eine Info-Hotline, bei der Bürger unter der Telefonnummer 0800 555 621 (zwischen neun und 17 Uhr) anrufen können.

Hände, die Viren übertragen

Doch zurück zu den Masken. Diese könnten tatsächlich sogar dazu führen, dass es zu einer höheren Infektionsrate kommt, erklärt Allerberger weiter im Video. So gehen manche Experten davon aus, dass sich Maskenträger unwillkürlich häufiger zum Mund greifen, um die Maske neu zu positionieren. So wiederum können aber Viren und Bakterien leichter auf die empfindlichen Schleimhäute geraten und damit für eine Infektion sorgen. Das gilt freilich nicht nur für die Übertragung des Coronavirus, sondern auch für Grippeviren. „Der Wert als Schutz ist kritisch zu hinterfragen“, so Allerberger.

Doch wie schützt man sich richtig vor Viren und Bakterien? Antwort: durch häufiges Händewaschen mit Seife und keinen Kontakt mit kranken Menschen, heißt es seitens der Ages. Umgekehrt: Wenn man selbst krank ist, dann sollte man nur ins Taschentuch niesen oder husten.

Schutz für wen vor wem?

Hier helfen die Masken übrigens schon: Ist man nämlich selbst krank und trägt die Masken, dann helfen sie, „das Risiko der Weiterverbreitung des Virus durch ,Spritzer‘ von Niesen oder Husten zu verringern“, heißt es auf der Ages-Homepage. Zu Hause im Bett zu bleiben und nicht krank herumzulaufen hilft freilich auch.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2020)