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Start-ups

Wie man Jung und Alt zusammenbringt

WisR-Gründerin Klaudia Bachinger: Wiens Wirtschaftsstadtrat, Peter Hanke, überraschte sie mit der Trophäe für die Österreicherin des Jahres in der Kategorie Start-ups.(c) Die Presse/Clemens Fabry
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Die Generationenfrage beschäftigte Klaudia Bachinger. Sie gründete WisR, ein ausgezeichnetes Start-up.

Vor wenigen Tagen veröffentlichten die Berater von Deloitte eine Studie zum Arbeiten im Alter. In 90 Prozent der befragten Unternehmen ist man überzeugt, dass Erwerbsarbeit in der Alterspension an Bedeutung gewinnt. Fast ebenso viele sehen in Generationenmix und Wissenstransfer zwischen Jung und Alt einen Vorteil.

Klaudia Bachinger hat das schon früher gesehen. Inspiriert von den Begegnungen mit vielen (älteren) Menschen auf dem 750 Kilometer langen Franziskusweg von Norditalien nach Rom, gründete sie 2017 die Plattform WisR (sprich „weiser“), die „Konzepte zum Umgang mit einer älter werdenden Belegschaft, insbesondere Mitarbeitern im Ruhestandsalter“ anbietet. Anders gesagt Projekt-, Teilzeit- und Minijobs anbietet, die Kompetenzen und Erfahrungen der Menschen 59+ einbindet, die neben der Pension dazuverdienen wollen. Das Thema demografischer Wandel gehe alle Altersgruppen an, sagt die 34-Jährige. Sie habe gesehen, wie viel Wissen mit der Pensionierung verloren geht. Und wie viel jene, die oft als Best Ager oder Silver Ager bezeichnet werden, leisten können und wollen – aber in vielen Fällen nicht dürfen, weil Unternehmen eine restriktive Pensionierungspolitik betreiben.

Für diese Idee und ihre Umsetzung wurde Klaudia Bachinger nun von Wiens Wirtschaftsstadtrat, Peter Hanke, als „Österreicherin des Jahres“ in der Kategorie Start-ups ausgezeichnet. Und völlig überrascht. Denn Hanke „überrumpelte“ Bachinger gemeinsam mit den Chefredakteuren von ORF III und „Presse“, Ingrid Thurnher und Rainer Nowak, während sie in ihrem neuen Wiener Büro, im „Collab“, das an das von Lin Reimann geführte „The Student Hotel“ angeschlossen ist, ein Interview gab. Umso größer waren Freude und Überraschung.

„Innovation, Kreativität und Technologie – drei Begriffe, die die Jungen gut im Griff haben“, sagt Hanke. Daher könne man sich auch darauf verlassen, dass sie ihre jungen Unternehmen gut gemanagt durch und aus der Covid-19-Krise führen werden. Wien, sagte Hanke, habe sich vor allem im Life-Science-Bereich zu einem Top-Standort für Start-ups entwickelt. Reüssieren können Start-ups aber auch in anderen Bereichen, wie WisR zeigt.

Bachinger und ihr Team arbeiten längst an weiteren Entwicklungen: Als Covid-19 die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ihrer vornehmlich aus dem KMU-Bereich stammenden Kunden einknicken ließ, war sie froh, längst ein weiteres Geschäftsfeld aufgemacht zu haben. Sie bietet eine in Wien programmierte Softwarelösung für große Unternehmen an, die über das wertschätzende Offboarding in den Ruhestand den Kontakt zu den ehemaligen Angestellten hält. Für Spitzenzeiten oder wenn Fragen auftauchen, für deren Beantwortung das Wissen und die Erfahrung Älterer gebraucht werden. Die Pensionisten werden eingeladen, im Senior Experts Pool ein Profil anzulegen. Darin enthalten sind nicht nur die Projekte, an denen sie beteiligt waren, ihre Auslandserfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse, sondern auch die Information, für welche Form des Engagements sie ansprechbar sind: Projektmitarbeit, Beratungs- oder Mentorentätigkeiten. Autozulieferer, Handel und Logistik seien besonders an den „Weisen“ interessiert, ebenso familiengeführte Unternehmen: „Sie haben eine nachhaltige Personalstrategie.“ Primär große Organisationen. Denn, sagt Bachinger, „Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitern kann niemand mehr allein überblicken“. Da könne ihr Angebot helfen, die richtigen Menschen anzusprechen. Jene, die vielleicht etwas älter, aber jedenfalls weiser sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)