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Öffnungsschritte

Schulen kehren in Vollbetrieb zurück, Maturanten in Teststraße

Symbolbid: Schülerin beim Betreten des Schulgebäudes
Symbolbid: Schülerin beim Betreten des SchulgebäudesAPA/AFP/TOBIAS SCHWARZ
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Am 17. Mai wechseln die Schulen wieder in den Vollbetrieb - mit Maskenpflicht. Schulpsychologie und Selbsttestungen werden ausgebaut, ein „PCR-Pilot“ gestartet, kündigt der Bildungsminister an.

Österreich sperrt ab dem 19. Mai wieder auf, die Schulen zwei tage zuvor - so zumindest lautet der Plan der türkis-grünen Bundesregierung. Allerdings: alles unter strengen Vorsichtsmaßnahmen, um das „heller werdende Licht am Ende des Tunnels“ nicht zu gefährden, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Freitag verkündeten. Wie dieses Licht im schulischen Bereich eingefangen und behalten werden soll, präzisierte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Samstag.

„Es schaut momentan sehr gut aus“, begann Faßmann mit einem Zitat aus einem „Presse"-Interview mit der Epidemiologin Eva Schernhammer. „Ich möchte hinzufügen; Es schaut in der Tat momentan auch für die Schule sehr gut aus. Wir sind, glaube ich, sehr gut aufgestellt.“ Auch viele Eltern, so zeige eine aktuelle Umfrage, seien der Meinung, dass sich nun etwas ändern müsse. 45 Prozent sagten demnach, dass Home-Schooling nicht mehr machbar sei, 71 Prozent plädierten für einen Vollbetrieb (siehe Infobox unten). Ihnen dürfe er nun ausrichten: Er rückt näher. Ab dem kommenden Montag soll es in allen Bundesländern wieder Präsenz- bzw. Schichtunterricht geben. Mit dem 17. Mai endet Schichtbetrieb in der Sekundarstufe und der Vollbetrieb wieder aufgenommen.

Allerdings mit den bereits bekannten Sicherheitsvorkehrungen: Die Maskenpflicht bleibt aufrecht, mehrtägige Schulveranstaltungen bleiben untersagt. Singen und Sport sind nur im Freien erlaubt.

Sebsttests ausgebaut

„Es war phasenweise ein Ritt über den Bodensee“, meinte Faßmann zur Einführung intensiver Testungen in den Schulen. Letztlich sei dies aber gelungen, man sei Vorreiter beim Testen und habe damit die Grundlage für die nun nahenden Öffnungen geschaffen. Aber: „Wir klopfen uns nicht auf die eigenen Schultern“, meinte der Bildungsminister, vielmehr soll „das Testregime weitergefüht“ und die Selbsttests an den Schulen weiter ausgebaut werden: Alle Schüler müssen sich dreimal in der Woche, alle 48 Stunden, auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus testen.

Bisher wurden im Zuge dieser Testungen rund 9500 positive Fälle gefunden. Insgesamt wurden bisher 30 Millionen Tests an die Schulen ausgeliefert, weitere 20 Millionen wurden reserviert.

Darüber hinaus werde in der Bundeshauptstadt in Zusammenarbeit mit Neos-Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr und SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker „ein Pilot“ gestartet, kündigte der Minister an. Gemeint ist: Die Einführung von kontinuierlichen PCR-Gurgeltests soll überprüft werden, da diese präzisere Ergebnisse liefern würden. Zehn Wiener Schulen werden daran teilnehmen.

Besuch einer Teststraße vor der Matura

Für die Maturanten des Jahres 2021 kündigte Faßmann spezifische Regelungen an: Die Jahresnote fließt ein, die Präsentation der Vorwissenschaftlichen Arbeit und der Antritt bei der mündlichen Matura sind optional, die Mathematik-Matura wird neu bewertet. In der Woche, in der die schriftlichen Maturaprüfungen beginnen, wird der Ergänzungsunterricht im Distance Learning stattfinden.

Aber, so der Minister: „Was passiert, wenn sie am Tag der Prüfung positiv getestet werden oder Kontaktpersonen sind?“ Ratsam sei, so Faßmann, in der Zeit vor den Prüfungen die Sozialkontakte zu reduzieren, „auch wen es schwer fällt“. Am Tag vor der Klausur sollte jedenfalls eine Teststraße aufgesucht werden. „Das, da bin ich ganz sicher, erspart Stress“, meinte er.

Schüler die falsch positiv sind oder als Kontaktpersonen geführt werden, werden nicht automatisch zum Nebentermin antreten müssen. Für sie wird im Rahmen des Haupttermins eine Ersatzlösung erarbeitet.

Schulpsychologie wird ausgebaut

Da viele Schüler mit den Folgen des Distance Learning zu kämpfen haben, sich einsam und überfordert fühlen und damit die Bildungsschere stetig weiter aufgehe, soll die Schulpsychologie um 20 Prozent ausgebaut werden. Konkret: Niederschwellige Beratungsangebote in Form von Sprechtagen sollen eingeführt werden. Zudem sind rund 1,5 Millionen Förderstunden in den Wochen bis zum Ende des Schuljahres „flexibel einsetzbar“, um Lernrückstände auszugleichen. Und: Über die Plattform „weiterlernen.at“ werden weiterhin kostenlose, individuelle Lernunterstützungen angeboten. Bis dato wurden über die Plattform 25.000 Lernhilfestunden abgehalten.

Wie es im Herbst an den Schulen weitergeht, konnte Faßmann nicht sagen. Man werde der Regierung aber nicht vorwerfen können, den Sommer verschlafen zu haben, wie dies im Vorjahr kritisiert wurde, meinte er. Immerhin habe man sich viele Gedanken gemacht und Maßnahmen gesetzt. Eine „Randbedingung“ für die Schulöffnung im Herbst werden aber wohl die Impfungen sein, mutmaßte er.

Umfrage

Einer Umfrage von Peter Hajek unter 600 Eltern zufolge ist für 45 Prozent Home-Schooling nicht mehr machbar. 68 Prozent bemerken „sehr starke oder starke psychische Belastungen“ ihrer Kinder. 71 Prozent sprechen sich für einen Vollbetrieb aus.