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IPCC-Bericht

IPCC: „Klimawandel verändert jede Region der Welt“

Überschwemmungen wie diese in Hallein könnten schon bald zu regelmäßigen Ereignissen werden.APA/VOGL-PERSPEKTIVE.AT/ MIKE VOGL
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Der jüngste Bericht des Weltklimarats fordert rasche und konsequente Gegenmaßnahmen. In den nächsten 20 Jahren stehe die Menschheit vor einer grundsätzlichen, klimapolitischen Weichenstellung.

Der Gehalt des stärksten Treibhausgases, Kohlendioxid, ist der höchste seit zwei Millionen Jahren: Das ist eines der Ergebnisse des sechsten Berichts des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), der am Montag präsentiert worden ist.

Im neuen Report ist das Wissen um die atmosphärischen Vorgänge weiter vertieft worden; andererseits wurde festgestellt, dass die Veränderungen in der Atmosphärenchemie rascher ablaufen als bisher vermutet. Diese Erkenntnisse basieren auf einer weitaus größeren Datenbasis, als dies bei früheren Berichten der Fall gewesen ist.

In 20 Jahren Erwärmung von 1,5 Grad

„Es gibt keine Region der Erde, die von der Klimaänderung nicht betroffen ist. Fest steht auch, dass der Ausstoß von Treibhausgasen durch menschliche Aktivitäten für die Erwärmung der durchschnittlichen Temperatur von 1,1 Grad Celsius verantwortlich ist.“ Schließlich wird erwartet, dass innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnte die Durchschnitts-Temperatur um 1,5 Grad gestiegen sein wird. Die Wissenschaftler führen unter anderem den Rückgang des antarktischen Eises um 40 % (seit 1979) auf die Klimaänderung zurück. Über der Arktis ist Erwärmung doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt.

Die Klimaerhitzung bringt zahlreiche Änderungen und wird sie auch weiter verstärken.

  • Kalte Jahreszeiten werden abnehmen, Wärme- und Hitzeperioden zunehmen.
  • Aber: Es geht nicht nur um die Temperaturen. Die Änderungen im Klima führen auch dazu, dass der Wasserkreislauf angekurbelt wird, weshalb intensive Regenfälle und Überflutungen häufiger werden; parallel dazu werden Dürreperioden ebenfalls häufiger auftreten.
  • Klimawandel beeinflusst die Muster von Regenfällen. In subtropischen Gebieten werden die Niederschläge abnehmen, während sie in anderen Regionen zunehmen. Auftreten und Ausmaß von Monsun wird sich verändern.
  • Küstenregionen werden auch weiterhin mit steigendem Meeresspiegel fertig werden müssen. Überschwemmungsereignisse, die bisher einmal in 100 Jahren aufgetreten sind, drohen zu jährlichen Ereignissen zu werden.
  • Das Auftauen der Permafrost-Böden wird sich bei zunehmender Klimaänderung beschleunigen, das Meerwasser wird sich weiter erwärmen, was dazu führt, dass der Sauerstoffgehalt weiter sinkt.

Valérie Masson-Delmotte, Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe I der IPCC: „Es gibt noch die Möglichkeit, die künftige Klima-Entwicklung zu beeinflussen. Das Klima zu stabilisieren erfordert starke, schnelle und nachhaltige Reduktionen des Ausstoßes von Treibhausgasen.“

Das IPCC hat den ersten Bericht 1988 vorgelegt. Am nunmehrigen Report haben 234 Autorinnen und Autoren aus 66 Ländern mitgearbeitet; 517 weitere haben ihre Expertise eingebracht, insgesamt wurden mehr als 78.000 Kommentare bearbeitet. Der Bericht ist von den Mitgliedsländern der Welt Meteorologie Organisation (WMO) akkordiert.

Der britische Umweltminister Alok Sharma, der auf der Klimakonferenz in Schottland den Vorsitz führen wird, hat in Interviews mit der BBC bereits am Wochenende eindringliche Worte gefunden: „Uns läuft die Zeit davon, wir müssen handeln – jetzt, und nicht in ein paar Monaten oder Jahren; diese Zeit haben wir nicht mehr.“

Vor sechs Jahren – auf der Klimakonferenz in Paris – haben sich die Unterzeichnerstaaten grundsätzlich auf das Ziel geeinigt, dass bis zum Ende des 21. Jahrhundert die durchschnittliche Temperatur auf dem Globus um nicht mehr als 1,5 bis 2 Grad Celsius steigen solle. Allerdings: Die verpflichtende Verankerung von Maßnahmen, um dieses Ziel auch zu erreichen, fehlt in so gut wie allen 196 Staaten, die den Beschluss in Paris gefasst haben. Signifikant wirksame Gegenmaßnahmen gibt es in keinem Land; Österreich hat diesbezüglich sehr große Defizite.

Mehr Tote in den Städten

Die Durchschnitts-Temperatur sagt allerdings nicht aus über die regionale und lokale Situation. Der Alpenraum – und damit auch Österreich – ist ein von der Klimaerhitzung am stärksten betroffenen Regionen weltweit. Hier hat sich die Durschnittstemperatur um zwei Grad Celsius erhöht. Das äußert sich nicht nur in einem beschleunigten Abschmelzen der Alpengletscher. Besonders betroffen sind Städte – hier ist mit einer Erhöhung der Temperaturen um vier Grad zu rechnen.

Die Wiener Umweltmediziner Hanns Moshammer und Hans-Peter Hutter haben in mehreren Arbeiten den Zusammenhang zwischen höheren Temperaturen und höherer Sterblichkeit belegt. Demnach ist entscheidend, an wie vielen Tagen Maximalwerte von mehr als 30 Grad Celsius zu verzeichnen sind. Wenn dies mehr als drei Tage hintereinander der Fall ist und gleichzeitig die nächtlichen Temperaturen nicht unter 25 Grad sinken, sprechen Wissenschaftler von „Hitzewellen“. Die Zahl derartiger Ereignisse habe sich deutlich erhöht, so Moshammer und Hutter, parallel dazu hat sich die Zahl der Todesfälle erhöht. In einer „StartClim“-Arbeit von 2006 wird ausgeführt, dass während Hitzewellen täglich statistisch 58,91 Menschen sterben, während an Tagen mit milderen Temperaturen iim Juli und August 46,58 Personen im Tagesmittel starben.

>> Der 6. IPCC-Report im Original