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Soldaten der 68. ukrainischen Jägerbrigade bereiten sich auf einen russischen Großangriff vor – und trainieren zwischendurch an Schießständen.
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Reportage

An der Front des Winterkriegs im Donbass: „Die Russen haben keine Motivation“

In Vorbereitung einer russischen Offensive bunkern sich ukrainische Einheiten im Raum Vuhledar ein. Sie nehmen dabei große Entbehrungen auf sich. Sollte den Russen der Durchbruch in der Region gelingen, könnten sie den ukrainischen Soldaten weiter nördlich im Donbass in den Rücken fallen.

Vuhledar. Beim ersten dumpfen Knall blickt der ukrainische Kommandeur nur kurz von seinem Handy auf. Aber schon beim zweiten Einschlag, der ein Stück näher liegt, runzelt er die Stirn. Als dann eine dritte russische Artilleriegranate in nur wenigen hundert Metern Entfernung detoniert, legt der 37-jährige Leutnant nervös sein Telefon weg. „Was ist da los?“, ruft er verärgert.

Einer der vier Soldaten vor den beiden großen Bildschirmen und mehreren Laptops fragt über ein Sprechfunkgerät, woher der russische Beschuss kommen könnte. Gleichzeitig läuft am Computer ein Scan. Plötzlich herrscht Totenstille in diesem kaum 15 Quadratmeter großen, unterirdischen Vorratskeller, der mit Baumstämmen verstärkt zu einem Kommandozentrum umfunktioniert wurde. Alle in dem überheizten Raum warten, ob die russische Artillerie neue Salven abfeuert. Aber es bleibt ruhig.

„Die Russen haben die Geschützposition verändert, und so konnten wir sie leider nicht lokalisieren“, erklärt Leutnant Citrus, der nur mit seinem „Nom de guerre“, dem Kriegsnamen, angesprochen werden will. „Sonst hätten wir die Information gleich an unsere Artillerie weitergegeben und die hätte sie zum Teufel geschickt.“

Die Einheit des Leutnants ist Teil der 68. Jägerbrigade. Sie ist im Donbass stationiert und für die 30 Kilometer lange Front in der Region von Vuhledar verantwortlich. Zusammen mit Bachmut ist dieser Abschnitt der meist umkämpfte in der Ostukraine. Die russische Armee hat hier ihre erfahrensten Truppen stationiert. Darunter sind Marineinfanterie, Söldner der Wagner Gruppe, Tschetschenen und Spezialeinheiten der sogenannten Donezkrepublik. „Russland versteht das Gebiet als Startpunkt einer Großoffensive, um die gesamten Region Donezk einzunehmen“, analysierte das britische Verteidigungsministerium.