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Corona-Kommission nimmt Arbeit auf: „Die Sache ist nicht vorbei“

Gesundheitsminister Rudolf Anschober
Gesundheitsminister Rudolf AnschoberAPA/HERBERT PFARRHOFER
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Im Gesundheitsministerium gab es am Freitag den Auftakt der Corona-Kommission, die künftig die Virusaktivität in Österreich analysieren wird - und die Corona-Ampel schalten soll.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sprach am Freitag von einem „Wellenbrecher“ - für die mögliche zweite Coronavirus-Welle im Herbst. Der österreichische Version soll dabei eine Corona-Fachkommission aus Gesundheitsexperten, Ministerien- und Ländervertretern sein. 19 Personen, die künftig auch die „Corona-Ampel“ Österreichs schalten werden.

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Eine Expertenkommission soll mögliche Szenarien ausarbeiten, die Politik dann aber im Einzelfall entscheiden. Welche Kriterien zum Einsatz kommen, was die unterschiedlichen Farben bedeuten, wie die neue Kommission arbeitet, welchen Nutzen - und welche Konsequenzen - es geben soll.

Ein Probebetrieb für dieses schon länger angekündigte Ampelsystem, das auf regionaler Ebene die Corona-Lage anzeigen soll, ist für Mitte August geplant. Anfang September - noch vor Schulbeginn - will die Kommission die Ampel dann in den Regelbetrieb schalten. 

„Die Sache ist nicht vorbei“ 

Die Corona-Ampel werde auch das Bewusstsein für die Pandemie wieder schärfen, erklärte Anschober, der einmal mehr der Bevölkerung für den Zusammenhalt während der Coronakrise im Frühling dankte. Im Sommer sei allerdings einiges an Risikobewusstsein verloren gegangen: „Die Sache“, merkte der Minister aber an, „ist nicht vorbei.“

Vier Farben wird die österreichische Corona-Ampel haben; Grün, Gelb, Orange und Rot. Man hoffe, dass selbst Orange selten sein werde, erklärte Herwig Ostermann, der Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH. International gebe es Debatten über die Farbgebung generell, und auch darüber, ob Grün überhaupt verwendet werden solle - insofern, weil die Farbe als positiv und „normal“ verstanden wird. In Österreich wird das nun so sein: „Bei Grün handelt es sich um die neue Normalität“, so Ostermann. Die „neue Normalität“ - sie bedeutet Maskentragen, Abstandhalten, besondere Vorsicht auf Hygienemaßnahmen. Ostermann hofft, dass man von vom Standard-„Grün“ nur selten auf Gelb schalten werde müssen.

Anschober zufolge werde die Corona-Kommission bei ihren Treffen Entscheidungen für Präventionsmaßnahmen treffen. Dabei gehe es aber nicht um regionale Eingriffe, sondern um eine Art Gesamtanalyse: Die Kommission schlage das richtige Vorgehen vor. Ulrich Herzog, der neben Clemens Auer die Kommission leiten wird, nannte als Ausgangspunkte für die Arbeit der Kommission Übertragbarkeit, Quellensuche, Ressourcen im Gesundheitswesen und Testzahlen als Schlüsselindikatoren. Mindestens einmal pro Woche würden die Mitglieder - neben den Fachexperten und den Vertretern aus zentralen Ministerien schickt jedes Bundesland einen Vertreter - ab nächster Woche zusammenkommen.

Länder wollen Gesundheitsbehörden personell aufstocken

Generell, so Anschober, rechne man damit, dass mit Schulbeginn die sogenannte Corona-„Phase vier“ beginnen werden. Diese werde „schwierig“ und wohl mehrere Monate dauern - bis eine Impfung da sei. Während dieser Phase vier rechnet man mit wesentlich mehr Fällen und auch einem höheren Ansteckungsrisiko, da viele Aktivitäten sich wieder in Innenräume verlagern werden. „Mit aller Kraft“ wolle man eine zweite Welle vermeiden, meinte der Gesundheitsminister, der auch erklärte, dass ihm die Landeshauptleute eine Aufstockung der Länder-Gesundheitsbehörden versprochen hätten. 30 bis 40 Personen mehr sollten jeweils das Kontaktpersonenmanagement unterstützen. „Mehr Fälle brauchen mehr Ressourcen, das schaffen wir nur dann, wenn wir uns sehr, sehr gut aufstellen.“ 

Die Reproduktionszahl des Coronavirus liege in Österreich „erstmals seit langer Zeit“ wieder unter dem Wert 1. Der sogenannte R-Wert zeigt an, wie viele Personen ein Corona-Infizierter weiter ansteckt. Im Juli war der R-Wert noch bei 1,4 gelegen.

(epos)