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Interview

Virologe zur Pandemie: "Eigentlich haben wir eine Kommunikationskrise"

"SARS-CoV-2 nähert sich schrittweise der Infektiosität der Masern an, das mit einer Basisreproduktionszahl von 18 das ansteckendste Virus ist, das wir kennen", sagt Andreas Bergthaler.Die Presse/Clemens Fabry
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Virologe und Gecko-Mitglied Andreas Bergthaler spricht über die Ansteckungsfähigkeit sowie Pathogenität neuer Varianten, die vier Szenarien für den Herbst und darüber, wie die Regierung mit falscher Kommunikation Vertrauen in der Bevölkerung verspielt hat.

„Dass Österreich bei der Verfügbarkeit von verknüpften Daten immer noch so schlecht dasteht, ist kaum entschuldbar, weil wir mit diesen Daten ein überaus wertvolles Instrument in der Hand hätten, um die Wirksamkeit von Maßnahmen zu hinterfragen und nachzuweisen“, sagt der Virologe Andreas Bergthaler, Professor für Molekulare Immunologie, Leiter des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie an der Medizinischen Universität Wien und Mitglied der Krisenkoordination Gecko. „Wenn beispielsweise in Dänemark eine neue Variante auftaucht, können die dortigen Gesundheitsbehörden zentral nachverfolgen, wie es den Infizierten zwei, drei Wochen später ergangen ist. Damit lassen sich klinische Verläufe und Impfschutz rasch erheben. Das ist in Österreich so immer noch nicht möglich.“

Im Hinblick auf den kommenden Herbst sei der unsicherste Faktor bzw. die größte Herausforderung „nicht unbedingt auf Virus-Seite zu suchen, obwohl die vier Szenarien genau das suggerieren. Vielmehr wird es auch von unserem Verhalten, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Kommunikation abhängen. Denn eigentlich haben wir eine Kommunikationskrise.“

Was die die neuen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 angeht, hat er keine guten Neuigkeiten. Sie breiten sich in Österreich rasch aus und sind wegen ihrer zahlreichen Mutationen fast so ansteckend wie die Masern, die über die Luft und durch direkten Körperkontakt (vor allem mit Sekreten aus Nase und Rachen) übertragen werden.

Andreas Bergthaler im Interview:

Die Presse: Die Variante Omikron, also BA.1, ist zwei- bis dreimal ansteckender als Delta, die schon um 60 Prozent ansteckender war als Alpha, die wiederum doppelt so ansteckend war wie der Wildtyp aus Wuhan. Dann kam BA.2, die noch einmal etwa doppelt so ansteckend ist wie BA.1. Jetzt breiten sich BA.4 bzw. BA.5 aus, zwischen den beiden Omikron-Untervarianten gibt es nur minimale Unterschiede. Um wie viel ansteckender sind diese beiden Varianten?