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Ukraine-Krieg

Beschlossen: Berlin schickt 14 Kampfpanzer in die Ukraine

Nun ist es offiziell: Deutschland wird doch Leopard-Panzer an die Ukraine liefern.
Nun ist es offiziell: Deutschland wird doch Leopard-Panzer an die Ukraine liefern.(c) Imago
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Der deutsche Kanzler Scholz macht den Weg frei: Deutschland liefert der Ukraine 14 Kampfpanzer vom Typ Leopard-2-A6. Auch die USA erwägen eine Kehrtwende.

Wien/Berlin. Auf den Schlachtfeldern der Ukraine könnten schon bald deutsche und russische Kampfpanzer aufeinander feuern: Nach monatelangem Zögern macht die Regierung von Olaf Scholz den Weg für die Lieferung von Leopard-2-Panzern frei. Konkret liefert Deutschland der Ukraine 14 Kampfpanzer vom Typ Leopard-2-A6 aus Bundeswehrbeständen, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch bestätigte.

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz habe dies im Bundeskabinett verkündet. "Die Entscheidung folgt unserer bekannten Linie, die Ukraine nach Kräften zu unterstützen. Wir handeln international eng abgestimmt und koordiniert", wird der Kanzler in der Mitteilung zitiert. Ziel sei es, rasch zwei Panzer-Bataillone mit Leopard-2-Panzern zusammenzustellen, teilte der Regierungssprecher mit.

Die Lieferung der Kompanie mit 14 Leopard-2-A6-Panzern sei der erste Schritt, ukrainische Soldaten sollten in Deutschland zügig daran ausgebildet werden. Zu dem Paket gehörten auch Munition, Logistik und Wartung der Systeme.

Zudem ermöglicht die Regierung in Berlin anderen Nato-Partnern die Lieferung eigener Leopard-2-Panzern an die Ukraine. Die Wende im deutschen Kanzleramt zeichnete sich bereits am Dienstagabend ab, am Mittwoch folgte dann die offizielle Bestätigung. 

Massiver Druck auf Regierung

Der Entscheidung waren monatelange Debatten vorausgegangen. In den letzten Tagen hatte sich der Druck auf die deutsche Regierung in der Panzer-Frage massiv erhöht. Der polnische Premier Mateusz Morawiecki machte Berlin schwere Vorwürfe: „Wir können sehen, dass sie der Ukraine nicht helfen wollen, sich auf breiterer Ebene zu verteidigen“, schimpfte er und drohte implizit, Polen würde seine Leopard-Panzer notfalls auch ohne deutsche Genehmigung an die Ukraine schicken.

Die Polen haben sich nämlich an die Spitze einer Allianz zur Weitergabe von Leopard-2-Panzern an die Ukraine gesetzt. Andere Staaten, darunter skandinavische, wollen nachziehen.

Die Lieferung moderner westlicher Kampfpanzer an die Ukraine war lange ein Tabu. Diesen Monat aber kündigte Großbritannien an, Panzer vom Typ „Challenger 2“ für die Ukraine bereitzustellen. Daraufhin wurde auch Scholz von osteuropäischen Nato-Staaten, von der Regierung in Kiew und vom Koalitionspartner bedrängt, die Weitergabe deutscher Leopard-Panzer abzunicken. Berichten zufolge hatte sich in der Sache sogar US-Verteidigungsminister Lloyd Austin ein heftiges Wortgefecht mit dem engsten Scholz-Vertrauten, mit Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt, geliefert. Austin wollte demnach die Deutschen zumindest zu einer Exportgenehmigung für Drittstaaten bewegen (wie sie nun erfolgen wird).

Was die Bereitstellung qualitativ neuer Waffensysteme aus Bundeswehr-Beständen anbelangt, hatte Scholz immer betont, nur gemeinsam mit den USA handeln zu wollen – so wie bei der Lieferung von Mehrfachraketenwerfern oder Schützenpanzern. Am Dienstag gab es Berichte, wonach die USA tatsächlich die Lieferung von Kampfpanzern des Typs Abrams erwägen. US-Präsident Joe Biden neige dazu, der Ukraine eine „bedeutende Zahl“ von Abrams-Panzern zu überlassen, hieß es. Die USA hatten die Lieferung von Abrams-Panzern aus praktischen Gründen bis dahin immer abgelehnt. Die US-Panzer müssten über den Atlantik transportiert werden, die Instandhaltung sei aufwendiger, und sie verbrauchten zu viel Treibstoff.

Dreistellige Panzer-Zahl nötig

Die Ukraine bittet seit Monaten um Kampfpanzer westlicher Bauart für den Kampf gegen die russischen Angreifer. Die erste offizielle Anfrage erfolgte schon eine Woche nach Kriegsbeginn Anfang März vergangenen Jahres. Die Frontlinie in der Ostukraine hat sich seit Wochen kaum noch bewegt. Mit den Kampfpanzern hofft die Ukraine, wieder in die Offensive zu kommen und weiteres Gelände zurückzuerobern. Gleichzeitig wird für das Frühjahr eine Offensive Russlands befürchtet.

Das Institut for Strategic Studies schätzt , dass mindestens 100 Leopard-2-Panzer nötig sind, um überhaupt einen nennenswerten Effekt mit Blick auf die Kampfhandlungen in der Ukraine zu erzielen.

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(ag./red.)

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