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"Treichl ist die personifizierte Unanständigkeit"

Treichl personifizierte Unanstaendigkeit
Treichl personifizierte Unanstaendigkeit(c) Reuters (Heinz-Peter Bader)
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Am Freitag hat Erste-Bank-Chef Treichl die Politiker als "zu blöd und zu feig" beschimpft. Die Reaktionen sind heftig, doch er erhält auch Zustimmung.

Am Freitagabend hat Erste-Bank-Chef Andreas Treichl mit ungewöhnlich klaren Worten in Richtung Politik für Aufregung gesorgt. Sein Urteil: "Unsere Politiker sind zu blöd und zu feig (. . .) und zu unverständig (. . .)", erklärte der Erste-Bank-Chef. Und sie hätten "von der Wirtschaft keine Ahnung" ("DiePresse.com" berichtete).

Grund für den verbalen Ausfall sind die heimischen strengen Richtlinien für die Kreditvergabe. Diese sei, zum Teil zu Recht, in den letzten Jahren erschwert worden. Aber es habe sich niemand um die Sicherheit von Anleihen gekümmert. Kreditvergaben an vertrauenswürdige Firmen seien im Vergleich zu Ausleihungen an Staaten zu streng reglementiert.

"Würde so etwas nicht über Banker sagen"

Die Reaktionen ließen zwar ein wenig auf sich warten, fallen aber auch heftig aus. Die SPÖ kontert. "Es gibt ein schlechtes Bild, wenn man zuerst die Politik und die Menschen um Hilfe bittet und dann, wenn man die Hilfe bekommen hat, Raffgier und Abgehobenheit an den Tag legt. Damals ist den Bankmanagern Angst ins Gesicht geschrieben gewesen, jetzt weicht das wieder der Arroganz", sagt SPÖ-Staatssekretär Josef Ostermayer. Der SP-Politiker bezieht sich damit auch auf die Verdoppelung der Aufsichtsratgagen der Erste Group.

"Aus meiner Sicht ist das eine Diktion, die man überdenken muss. Ich würde so etwas nicht über die Banker, die Wirtschaft sagen", sagt ÖVP-Chef Michael Spindelegger. Jeder müsse für sich selbst die Verantwortung für das tragen, was er sage. Entscheidend für ihn sei, dass man über die von Treichl angesprochenen Probleme reden müsse. "Denn das zeigt ja von einer tiefen emotionalen Betroffenheit - und ich werde das Gespräch suchen."

"Treichl ist die personifizierte Unanständigkeit"

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky gibt Treichls Einschätzung zwar recht, was die beiden Koalitionsparteien betrifft. Er ist sich laut "Ö1 Morgenjournal" aber sicher: "Wir sind damit nicht gemeint". Daher attackiert er auch Treichl: "Der Herr Treichl ist aus meiner Sicht die personifizierte Unanständigkeit. Nimmt Staatshilfe im Milliardenausmaß und schimpft nachher und zahlt sich selbst Millionenhonorare aus".

"Der Ton ist für einen Bankdirektor unüblich"

Die Grünen können einen wahren Kern in Treichls Aussagen erkennen. "Auch die Grünen kritisieren regelmäßig, dass die Kredite in die Realwirtschaft gegenüber den spekulativen Veranlagungen wesentlich schlechter gestellt sind. Das ist ein Unsinn. Das sind die Ursachen für Krisen", sagt Budgetsprecher Werner Kogler Ö1 zufolge. Und: "Der Ton ist für einen Bankdirektor vielleicht ein bisschen unüblich, aber ich will da jetzt nicht gegenrechnen und Öl ins Feuer gießen."

Auch BZÖ-Chef Josef Bucher stimmt Treichls Urteil bezüglich der Kreditvergaben zu. "Die Leichtfertigkeit auf europäischer Ebene, nämlich Griechenland beispielsweise unter die Arme zu greifen, das ist ein massiver Fehler der Politik gewesen", sagt er. Verwundert zeigt er sich jedoch, "wenn Treichl die Politiker beschimpft gerade nach einigen Jahren, wo wir den Banken massiv geholfen haben, beziehungsweise der Steuerzahler massiv geholfen hat. Und da sollte man den Mund eher nicht so voll nehmen."

"Treichl hat völlig recht"

Verteidigt wird Treichl hingegen von Industriellen-Präsident Veit Sorger. Dessen Kritik sei ein Zeichen von "Unmut, der grundsätzlich da ist". Zugleich stellt sich der IV-Präsident hinter den Plan Treichls, die Vergütung für Manager und Aufsichtsräte seiner Bank deutlich zu erhöhen. Treichl wolle die besten Manager und Aufsichtsräte haben, das gehe nur bei entsprechender Bezahlung. Managergehälter in Österreich liegen ohnehin im internationalen Vergleich "im untersten Drittel". Im übrigen würden Gehälter mit 50 Prozent besteuert, von höheren Gehältern profitiere daher auch der Staat.

Auch der Unternehmer Attila Dogudan, Chef von Do&Co, schlägt sich auf Treichls Seite. "Fakt ist, dass die Politik nichts tut, damit der Wohlstand, den wir uns geschaffen haben, sich langfristig erhalten lässt", sagt er im Interview mit "Österreich". "Menschen, die sich trauen, Wahrheiten auszusprechen, müssten eigentlich geschätzt sein. Es wäre gut, wenn einer nach dem anderen aufstünde und sagt: Treichl hat recht, wir müssen etwas tun." Allerdings ginge es in der Politik nur um Wählerstimmen.

Treichl steht zu seinen Aussagen

Treichl selbst steht auch drei Tage nach seinen umstrittenen Äußerungen zum Inhalt. "Möglicherweise waren die Worte ein wenig heftig, aber hoffentlich führen sie zu einem Ergebnis", wird Treichl dazu im "Kurier" zitiert. Bisher habe es nur positive Reaktionen auf seine Rede, vor allem aus der Wirtschaft, gegeben.

Am Rande der Präsentation des neuen MAK-Direktors Christoph Thun-Hohenstein, die Treichl als Kuratoriumsvorsitzender begleitete, meinte der Bankmanager am Montag: "Offensichtlich muss man emotionelle Bemerkungen machen, um damit andere emotionelle Bemerkungen zu beenden und eine Sachebene zu erreichen."

(Red.)

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