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Unter 20 Euro: Weinhaus Pfandler

Weinhaus Pfandler
Weinhaus Pfandler(c) Stanislav Kogiku

Ein altes Weinhaus in Meidling hat einen neuen Betreiber gefunden, der nichts geändert hat – bis auf die wunderbare Wein- und Jausenkarte im Weinhaus Pfandler.

Wann ist ein Beisl ein Beisl, wann ein Weinhaus ein Weinhaus? Und wie unterscheiden sie sich von einem urigen Wirtshaus? Das sind Fragen, über die man am besten ebendort diskutiert. Aber wenn man sich nur auf das Äußere konzentriert, ist eines klar: Sollte noch jemand einen Brockhaus zur Hand nehmen und darin eine ebensolche urwienerische oder auch urösterreichische Gaststube suchen, dann müsste dort ein Foto vom Weinhaus Pfandler mit dem wunderbaren Beinamen „Zu den Seligen Affen“ abgebildet sein.

Ein Glück, dass es so etwas noch gibt. Und ein Glück, dass Roman Pfandler das Weinhaus in Meidling übernommen hat und genau gar nichts verändert hat. Zumindest auf den ersten Blick. Es gibt nicht viele Orte, an denen man sich ganz schnell an seine Kindheit erinnert fühlt: Dunkle Holzvertäfelung, eine hübsche Schank (nur die Schale mit Äpfeln ist ungewöhnlich), die Frucade in der Vitrine passt aber ebenso ins nostalgische Bild wie die Pischinger Ecken und Manner Schnitten. Die Rauchschwaden, die es damals gab, vermisst heute niemand mehr. Die immer ein bisschen zu kalte Temperatur, der knarrige Holzboden, die sauberen Resopaltischplatten und die Krügerl, die der Kellner fleißig einschenkt, passen aber ganz gut ins Bild.

Was die Speise- und Getränkekarte betrifft, hat man den Eindruck, die Seligen Affen haben sich mehr aufs Flüssige konzentriert, immerhin handelt es sich um ein Weinhaus und kein Beisl. Neben Schremser Bier vom Fass (Märzen oder Bio-Roggenbier) gibt es eine sehr tolle Weinkarte, mit vielem, was derzeit zu Recht en vogue ist: Claus Preisingers kalt getrunkenen, leichten Rotwein Puszta libre etwa oder Weißburgunder von Judith Beck (4 Euro/Achterl). Dazu gibt es eine feine Brettljause, mit einfachen aber sehr hochwertigen Bestandteilen (8 Euro) oder aber auch ein sehr feines, mit Bergkäse überbackenes Blunzenbrot (4,40 Euro), ein mit Roten Rüben mariniertes Solei (1,70 Euro) sowie sauer marinierte Knackwurst, Blunze oder Presswurst. Da werden nicht nur die Affen selig.

Weinhaus Pfandler: Dörfelstraße 3A, 1120 Wien, Di–Sa 16–22 Uhr, www.weinhaus-pfandler.at

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2018)