Allzeit-Tief

Weltweit Sorge um Großbank Credit Suisse

Die Bankentitel stünden wegen der Probleme von US-Regionalbanken unter Druck.
Die Bankentitel stünden wegen der Probleme von US-Regionalbanken unter Druck.(c) REUTERS (DENIS BALIBOUSE)
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Die Notenbank schießt nach Turbulenzen Liquidität zu. Die CS-Aktien brachen am Mittwoch auf ein Allzeit-Tief ein.

Der Absturz der Credit Suisse inmitten der Sorgen rund um die Pleite der kalifornischen Silicon Valley Bank (SVB) hat Europas Börsen erneut auf Talfahrt geschickt. Anleger schmissen vor allem Bank-Aktien aus ihren Depots. Die Schweizerische Nationalbank stellte sich am Mittwochabend hinter die krisengeplagte Credit Suisse und teilte mit, bei Bedarf Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Die Credit Suisse (CS) erfülle die an systemrelevante Banken gestellten Anforderungen bezüglich Kapital und Liquidität, teilten die Notenbank und die Finanzmarktaufsichtsbehörde Finma in einer gemeinsamen Mitteilung mit. "Die SNB wird im Bedarfsfall der CS Liquidität zur Verfügung stellen." Es gebe aktuell zudem keine Hinweise auf eine direkte Ansteckungsgefahr für Schweizer Institute aufgrund der Probleme der US-Banken, hieß es weiter.

Absturz auf Allzeit-Tief 

Die Ankündigung des neuen Großaktionärs Saudi National Bank, aus aufsichtsrechtlichen Gründen keine frischen Mittel in die Credit Suisse einschießen zu können, beschleunigte den dramatischen Kursverfall bei dem krisengeplagten Schweizer Institut. Die CS-Aktien brachen am Mittwoch in der Spitze um mehr als 30 Prozent auf ein Allzeit-Tief von 1,55 Franken ein und zogen andere Banken-Titel in Europa und den USA mit sich. Rund um den Globus versuchten Aufsichtsbehörden und Verantwortliche, die Risiken abzuschätzen. Mindestens eine Regierung habe die Schweiz zur Intervention aufgefordert, weil die Credit Suisse systemrelevant sei, sagte eine mit dem Vorstoß vertraute Person.

Angesichts eines rasanten Kurseinbruchs bei Aktien der Crédit Suisse versuchte das Institut Bankkunden zu beruhigen. Es handle sich um eine "sehr gut kapitalisierte Bank", betonte der Chef der Crédit Suisse Schweiz, André Helfenstein, am Mittwoch in einem Interview mit dem Schweizer Sender "Blick TV". Natürlich sei man nicht zufrieden mit dem Aktienkurs. Dieser habe aber nichts mit der Sicherheit der Kundeneinlagen zu tun. Der Kurseinbruch gehe darauf zurück, dass die Bankentitel wegen der Probleme von US-Regionalbanken unter Druck stünden.

Die Europäische Zentralbank (EZB), die am Donnerstag ihren Zinsentscheid bekannt geben will, kontaktierte Insidern zufolge die unter ihrer Aufsicht stehenden Banken, um ihre Risiken in Sachen Credit Suisse zu ermitteln. Einer der Insider sagte, die Probleme der Credit Suisse seien individuelle und keine systemischen. Ein Sprecher des US-Finanzministeriums erklärte, man beobachte die Situation und sei in Kontakt mit den Finanzministerien anderer Länder. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire wollte nach Angaben von Ministerpräsidentin Elisabeth Borne mit seiner Schweizer Amtskollegin Karin Keller-Sutter über die Situation sprechen.

Auf Hilfe angewiesen?

Treiber des Absturzes waren zunächst Sorgen, dass die vom Kollaps der kalifornischen Silicon Valley Bank (SVB) ausgelösten Schockwellen an den Finanzmärkten die ohnehin schon geschwächte Credit Suisse in Mitleidenschaft ziehen könnten. Am Mittwoch kam dann die Ankündigung des neuen Großaktionärs Saudi National Bank in einem Reuters-Interview hinzu, keine frischen Mittel in die Credit Suisse einschießen zu können. Das Institut könne aus aufsichtsrechtlichen Gründen nicht mehr als zehn Prozent der Anteile halten, sagte Präsident Ammar Al Khudairy der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich glaube nicht, dass sie zusätzliches Geld brauchen."

Andere Anleger und Experten schließen dagegen nicht aus, dass die Credit Suisse Hilfe benötigen könnte. "Es scheint unausweichlich, dass die Schweizer Nationalbank SNB intervenieren und eine Rettungsleine bieten muss", schrieb Octavio Marenzi, Chef der Finanzberatungsgesellschaft Opimas. "Die SNB und die Schweizer Regierung sind sich voll bewusst, dass ein Ausfall der Credit Suisse oder gar Verluste von Einlageninhabern den Ruf des Finanzplatzes Schweiz zerstören würden." Schon jetzt erleide der Ruf der Schweiz für finanzielle Stabilität und als sicherer Hafen "unkalkulierbaren Schaden".

Neil Wilson, Marktanalyst bei dem Onlinebroker Markets.com erklärte, es sehe so aus, als ob immer mehr besorgte Investoren und Gegenparteien Credit Suisse als möglichen nächsten Wackelkandidaten betrachteten. "Wenn die Credit Suisse in ernsthafte existenzielle Schwierigkeiten gerät, sind wir in einer ganz anderen Welt des Schmerzes. Sie ist wirklich zu groß, um zu scheitern."

Wiederholte Handelsstopps 

Der Absturz der Credit-Suisse-Aktie löste an der Schweizer Börse wiederholt Handelsstopps aus. Seit dem Beginn der steilen Talfahrt am Montag vergangener Woche hat die Bank 44 Prozent an Wert verloren. Im Sog von Credit Suisse schloss der europäische Bankensektor am Mittwoch rund sieben Prozent im Minus. Aktien der US-Banken verbuchten ebenfalls Kursverluste. Der Schweizer Franken gab zeitweise 0,8 Prozent auf 0,9273 Dollar nach.

Auf einer Investorenkonferenz fragte ein Anleger UBS-Konzernchef Ralph Hamers, ob die größte Schweizer Bank zu einer möglichen Rettungsaktion bereit sei. Hamers erklärte, er wolle keine hypothetischen Fragen beantworten und fügte an: "Für uns ist wichtig, dass wir uns wirklich auf unsere Strategie konzentrieren, und das ist eine organische Strategie."

Der Preis für die Absicherungen gegen Zahlungsausfälle von Anleihen der Bank zogen weiter an. Fünfjährige Kreditausfallversicherungen für Schuldpapiere, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), stiegen auf ein Rekordhoch, wie Daten von S&P Market Intelligence zeigten.

Nach der jüngsten Erholung schloss der deutsche Aktienleitindex DAX am Mittwoch 3,3 Prozent tiefer bei 14.735,26 Punkten. Der EuroStoxx50 büßte 3,6 Prozent auf 4.028,45 Zähler ein. Der ATX sackte um 6,30 Prozent oder 211,77 Punkte auf 3.148,43 Einheiten ab. Die Märkte seien durch die Schlagzeilen der Credit Suisse verängstigt, sagte Richard McGuire, Zinsstratege bei der Rabobank. Auch die wichtigsten US-Indizes lagen zwischen 1,3 und 2,1 Prozent im Minus.

(APA)


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