Geld allein macht nicht glücklich“, beginnt Larissa Kravitz ihren Vortrag – setzt das alte Sprichwort aber dann in unerwarteter Weise fort: „Es gehören auch Gold, Aktien und Grundstücke dazu.“ Bis auf Letztere gibt die Finanzexpertin in den folgenden Minuten einen umfassenden Überblick – gemeinsam mit ihren Kollegen deckt die Veranstaltung schließlich alle wesentlichen Anlageformen ab. Wichtig, da sind sich die drei einig, ist eine Diversifizierung des eigenen Portfolios – also eine gesunde Vielfalt an Anlageformen.
Anleihen
Wer eine Anleihe kauft, wird zum Kreditgeber: Institutionen, wie etwa Staaten, Banken, Unternehmen oder Gemeinden, leihen sich von Privatpersonen Geld, die dann wiederum Zinsen dafür bekommen. Möglich ist das als fixer oder variabler Zinssatz (meist an den Euribor gebunden) auf eine vordefinierte Laufzeit. „Das heißt, ich weiß auch genau, wann ich mein Geld wieder zurückbekomme“, so Kravitz und erklärt weiter: „Natürlich gibt es auch ein Kurspotenzial bei Anleihen, wenn ich die Anleihe nicht bis zum Ende halte – denn wenn die Zinsen steigen, fallen die Anleihenpreise und umgekehrt. Wenn sich die Kurse also günstig entwickeln, kann ich mir auch aussuchen, ob ich die Anleihe schon vor Ende der Laufzeit wieder verkaufe.“ Anleihenkurse werden durch Zinsen, Bonitätsveränderungen, aber auch die Marktnachfrage und Liquidität beeinflusst. Bei guter Bonität – beispielsweise bei Staatsanleihen oder großen Unternehmen – und kurzer Laufzeit bieten Anleihen eine hohe Sicherheit.
Aktien
Für viele sei die Aktie mit dem Investieren in den Kapitalmarkt schon fast synonym – sie ist sicherlich das bekannteste Produkt und gleichzeitig das mit der historisch höchsten Rendite. „Es gibt Studien, die bis zu 200 Jahre zurückgehen“, so Kravitz. Kurz gesagt handelt es sich dabei um Unternehmensbeteiligungen. Unternehmen seien – anders als Immobilien – dynamisch, könnten sich Marktgegebenheiten anpassen, weshalb Aktien einen gewissen Inflationsschutz bieten. Vor allem jene von Unternehmen mit einem „Burggraben“: „Dabei handelt es sich um große Unternehmen, die eine gewisse Preissetzungsmacht haben. Jene, die Preise und Gebühren anpassen können – und die Kunden werden das akzeptieren, weil sie die Produkte oder Dienstleistungen genug schätzen.“ Aber: „Aktien sind volatil – da kann es schon einmal 20, 25 Prozent nach oben oder unten gehen im Laufe eines Jahres. Deshalb sollte man ein Investment am Aktienmarkt als langfristiges Investment sehen. Das nichts für einen kurzfristigen Zeithorizont oder für den Notgroschen.“ Auch hier sei die Streuung wichtig – denn schließlich besteht bei Unternehmen immer ein Insolvenzrisiko.
Gold & Edelmetalle
„Es ist das älteste Investment der Welt“, so Kravitz zum Thema Gold, „und bietet seit gut 400 Jahren einen gewissen Inflationsschutz.“ Aber natürlich weist auch der Goldpreis starke Schwankungen auf, in den letzten Jahren bis zu 20 bis 30 Prozent – und: „Gold zahlt keine Zinsen.“ Anlagen sind in Form von verbrieftem Gold möglich oder auch als Goldbarren oder -münzen – dann allerdings muss man sich natürlich Gedanken über die Lagerung machen. In Österreich habe physisches Gold den Vorteil, dass es steuerlich begünstigt sei. Aber auch in andere Edelmetalle kann man investieren, erklärt Kravitz – Silber, Palladium oder Platin.
Rohstoffe
Kakao, Öl, Kaffee – sie alle werden am Kapitalmarkt gehandelt und stellen damit eine Investitionsform dar. „In professionell gemanagten Portfolios werden Rohstoffe als ,Hedge‘ – also als Absicherung – eingesetzt“, erklärt Kravitz. Rohstoffe weisen gerade in Krisenzeiten oft hohe Renditen auf – sogenannte Rohstoff-Preisschocks oder Commodity Shocks. Außerdem sind sie als Gruppe sehr unterschiedlich: Der Kaffeepreis beispielsweise hängt von völlig anderen Faktoren ab als der Ölpreis, Faktoren wie Produktionskapazitäten, Wetter oder Politik spielen stark mit. Da Rohstoffe ein sehr kompliziertes Investment sind, werden sie meist als Beigabe zu Portfolios eingesetzt.
Devisen
Ein internationaler Kapital- und Finanzmarkt bedeutet auch den Umgang mit unterschiedlichen Währungen und ihren Wechselkursen. Devisen sind Zahlungsmittel in Fremdwährungen – als solche ziehen sie sich durch alle Investmentkategorien, denn „sobald wir uns international am Kapital- oder am Anleihenmarkt engagieren, sind wir alle Deviseninvestoren, denn große Unternehmen, wenn man weltweit streut, notieren die natürlich in verschiedenen Währungen“, erklärt Kravitz und fügt hinzu: „Das heißt, man ist automatisch einem gewissen Wechselkursrisiko ausgesetzt.“
Investmentfonds & ETFs
Diverse Risiken können durch ein Investment in Fonds minimiert werden. Mit dem Prinzip des Fonds und seiner Untervariante ETF (Exchange Trading Fund) beschäftigt sich Christian Schuller in seinem Vortrag. In der Fachsprache nenne man den Investmentfonds auch OGAW – Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapiere. „Eine Vielzahl an Anlegern von Investoren kauft Anteile an Kapitalvermögen und bekommt sie ins Portfolio gelegt“, so Schuller. „Im Gegensatz zu Aktien werden Investmentfonds nicht an der Börse gehandelt, sondern werden durch eine Kapitalanlagegesellschaft verwaltet. Diese setzt einen Fondsmanager ein, der den Fonds aktiv managt.“ Möglich seien Investments in Aktien oder Anleihen – oder auch eine Mischform. „Fondsmanager besuchen sehr viele Unternehmen, sind vor Ort, nehmen Kontakt mit den Verantwortlichen auf und sprechen über Zukunftsvisionen, Strategien und die wirtschaftliche Lage des jeweiligen Unternehmens. Hinzu kommen Analysen und wirtschaftliche Kennzahlen des Marktes. Auf Basis dieser Informationen trifft der Fondsmanager eine Auswahl.“ Die Zahl der Aktien oder Anleihen in einem Fonds kann sehr unterschiedlich sein. Am Österreichischen Markt gebe es mehrere Tausend Investmentfonds, erklärt Schuller. Die Vorteile eines Investmentfonds liegen vor allem in der breiten Streuung, dem aktiven Management und der Möglichkeit, die Anteile jederzeit zum Kurswert verkaufen zu können.
Demgegenüber steht der ETF (Exchange Trade Fund), der nicht aktiv gemanagt ist. „Hier werden die Produkte direkt an der Börse gehandelt, als Indexfonds bildet ein ETF den jeweiligen Index wirklich eins zu eins ab“, so Schuller. Die Wertentwicklung von Indizes wie dem deutschen Aktienindex DAX, den US-amerikanischen Dow-Jones- oder Nasdaq-Indizes wird in einem solchen Fonds abgebildet. „Der Vorteil ist, dass hier sehr viele Anlageklassen abgebildet werden können – Aktien, Anleihen, Rohstoffe. Für nahezu alles gibt es Indizes. Außerdem sind sie deutlich günstiger, weil das aktive Management eingespart wird.“ ETFs sind jederzeit an den Börsen handelbar und bieten eine breite Streuung. Sowohl Investmentfonds wie auch ETFs seien auf langfristiges Investment ausgelegt. Bei der Auswahl sollte man sich aber entweder wirklich auskennen – oder auf gute Beratung setzen, sind sich die Experten einig. „Es gibt wesentlich mehr Fonds und ETFs, als es Aktien gibt“, so Kravitz, „denn es sind ja unendlich viele Kombinationen möglich. Das heißt, das Produktuniversum ist wirklich riesig und da muss man sich auch einmal durchackern.“ Auch sei nicht jede Anlagemöglichkeit auch für einen ETF geeignet. Konstantin Beran rät außerdem dazu, sich genau über Kosten und Gebühren für die jeweilige Anlage zu informieren: „Es geht nicht darum, ob ein Wertpapier günstig oder teuer ist – wir bieten verschiedene Formen von Strategien und Portfolios.“
Versicherung & Bausparer
Sie sind die Klassiker unter den Vorsorgemöglichkeiten – hier wird ein geringes Risiko, das dementsprechend weniger Rendite ermöglicht, über die Laufzeit ausgeglichen. „Unser Tipp ist, sich die Meilensteine im eigenen Leben zu überlegen – Ausbildung, Familie, Eigenheim und Ähnliches. Was möchte ich erreichen? Worauf spare ich? Aber auch: Was möchte ich verhindern? Mit einem Berater kann man diese Schritte planen.“ Je nachdem werden dann die richtigen Produkte ausgewählt: „Der klassische Bausparer war ja dafür gedacht, dass man damit Eigenkapital anspart, die Laufzeit sind sechs bis zehn Jahre. Für eine Pensionsvorsorge ist das vielleicht nicht das richtige.“ Versicherungen haben sehr viel längere Zeithorizonte von mehreren Jahrzehnten, so Beran. Versicherungen bieten auch den Vorteil, dass sie steuerlich begünstigt sind, KESt beispielsweise fällt weg. Außerdem kann man unterschiedlichste Szenarien berücksichtigen – von der Berufsunfähigkeit bis zum Todesfall.
Information
Die Diskussion „F+, Geld verstehen, Chancen nutzen“ der „Presse“ fand in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien Fachgruppe Finanzdienstleister statt und wurde von dieser finanziell unterstützt.