Wie genau hat Bruckner seine Sinfonien imaginiert, als er sie erstmals schrieb? Wie klangen sie, bevor er sie bearbeitete? Auf diese Spurensuche macht sich ein Zyklus im Brucknerhaus Linz, der das Herzstück des heurigen Internationalen Brucknerfests Linz ist und den Jan David Schmitz, der für die Programmplanung des aktuellen Festivals inhaltlich verantwortlich ist, konzipiert hat. Dabei werden sämtliche Sinfonien Bruckners – also über die gängigen nummerierten neun Stück hinausgehend noch die „Studiensinfonie“ und die „Annullierte“ – aufgeführt.
Ursprungsfassungen
Engagiert sind Originalklangorchester, gespielt wird jeweils die Ursprungsfassung. So wird beispielsweise Martin Haselböck mit dem Orchester Wiener Akademie die 2. Sinfonie Anton Bruckners in der Fassung von 1872 darbieten. Pablo Heras-Casado wird mit Anima Eterna Brugge die Dritte in der Version von 1873 erklingen lassen und Kent Nagano mit Concerto Köln die Vierte in jener von 1874. Mit dabei sind auch Jordi Savall und Le Concert des Nations, Stefan Gottfried und Concentus Musicus Wien, Christoph Spering und Das Neue Orchester sowie Jakob Lehmann und Les Siècles. Ádám Fischer wird mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment Anton Bruckners 5. Sinfonie präsentieren, während Marc Minkowski und Les Musiciens du Louvre sich die Sechste und Philippe Herreweghe und das Orchestre des Champs-Élysées sich die Achte vorgenommen haben. Jérémie Rhorer und Le Cercle de l’Harmonie werden die Siebente zum Besten geben. Kombiniert werden die Bruckner-Sinfonien mit Werken anderer Komponisten, die dramaturgische und musikalische Verknüpfungen herstellen lassen, so beispielsweise mit Wolfgang Amadé Mozarts Requiem, aus dem Bruckner in der 5. Sinfonie zitiert. Oder aber mit den „Wesendonck-Liedern“ von Richard Wagner, den Bruckner sehr verehrte und dem er die 3. Sinfonie widmete. Über die Originalklangfassungen hinausgehend werden Sinfonien von Anton Bruckner beim Festival außerdem beispielsweise von Christian Thielemann und den Wiener Philharmonikern sowie vom Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner präsentiert.