Mit der Moderne-Auktion am 20. Mai 2025 startet das Dorotheum in Wien in die Contemporary Week. Zu den Highlights dieser Versteigerung zählt eine 1912 entstandene Gouache mit Aquarell und Bleistift vom Ausnahmekünstler der Wiener Moderne Egon Schiele: „Weiblicher Akt, auf den Arm gestützt.“ Eine von oben gesehene, ungewöhnliche Pose mit wechselnden Drehungen des Körpers und einem stark nach unten gebeugten Kopf. Bei dem Modell handelt es sich höchstwahrscheinlich um Schieles langjährige Freundin Wally Neuzil. Von Schieles Künstlerkollegen und Freund Gustav Klimt wird unter anderem die Bleistiftzeichnung „Lesende oder Singende von vorne“ aus der Zeit um 1907 versteigert.
Moderne Landschaften
Seit einer Italienreise 1881 widmete sich Pierre-Auguste Renoir intensiv der klassischen Landschaftsmalerei. Auf der Suche nach einer Idylle, einem Arkadien, fand er die unberührte Natur Südfrankreichs. In Cagnes-sur-Mer, wo heute das Musée Renoir an den Künstler erinnert, entstand 1898 das Gemälde „Paysage à Cagnes“ das Renoirs Umsetzung impressionistischer Prinzipien, wie das Malen „en plein air“, bestens demonstriert. Wie im Traum eröffnet Marc Chagall in „Le retour au village“ eine nächtliche Dorflandschaft in intensivem Blau zu einem poetischen Schauplatz, charakterisiert durch die Lieblingsmotive des Künstlers – ein Liebespaar, ein Blumenstrauß und der Mond. In einen frühlingshaften Park entführt Carl Moll: Das Gemälde „Garten in Döbling“ von 1908 besaß einst der Arzt Julius Tandler, ein Sozialreformator des Roten Wien der Zwischenkriegszeit. Im Kontrast dazu steht Alfons Waldes verschneite Berglandschaft „Rast“.
Inselbegabung
Auch in der Auktion Zeitgenössische Kunst am 21. Mai 2025 bleibt die Natur ein vielschichtiges Thema: Der französische Künstler François Morellet, mit seinen konzeptuellen Arbeiten, klaren geometrischen Strukturen und seriellen Systemen einer der bedeutendsten Vertreter der kinetischen Kunst, greift in „Entre deux mers no. 1“ die Idee eines sich bewegenden Meeresspiegels auf – ein visuelles Prinzip, das sich als horizontale Linie durchzieht. Christos „Surrounded Islands“ zeigt die Vorbereitungen zu einem der bekanntesten Projekte des Künstler-Duos, der 1982/83 realisierten, temporären Einrahmung von elf Inseln in der Biscayne Bay in Florida mit 61 Meter breitem pinkfarbenem Stoff. In ihren monumentalen Verhüllungen – vielen ist jene des Berliner Reichstags besonders in Erinnerung – sahen sich Christo und Jeanne-Claude als Landschaftsarchitekten verwirklicht.
Zu den weiteren Toplots gehört ein „Selbstportrait mit Engel/kleiner Harlekin“ von Maria Lassnig, die mit ihren Body-Awareness-Paintings für Furore sorgte Die Arbeit entstand 1961 in Paris. Auch in den Strichbildern aus dieser Zeit drückte sie das Bewusstsein des eigenen Zustands und Körpergefühls aus. Nicht umsonst handelt es sich dabei um die von der Künstlerin meistgeschätzten Werke; stellen sie doch eine entscheidende Phase ihrer Entwicklung dar. Diese von ihr liebevoll „Strichmanderln“ genannten Werke sind für Maria Lassnig wirkliche Körperkunst, wirkliche Empfindung – und keine Abstraktion. Präsent sind auch fixe Größen der jüngeren österreichischen Kunstgeschichte: Arnulf Rainer („Ohne Titel (Kreuz)“, 1970er-Jahre), Hermann Nitsch, Erwin Wurm, Brigitte Kowanz oder Herbert Brandl. Martha Jungwirth ist mit vier Arbeiten vertreten, darunter mit einem Ölgemälde aus der 1990er-Serie „der affe in mir“.
Komplexe Geflechte
Die italienische Avantgarde ist zum Beispiel mit Emilio Vedovas Tondo mit beachtlichen 2,8 Metern Durchmesser repräsentiert, betitelt mit „Non Dove (Nirgendwo)“ aus dem Jahr 1987. Von Piero Dorazio, einem Pionier der abstrakten Malerei in Italien, stammt ein Gemälde von 1962, ein komplexes Geflecht aus lebendigen Linien und Farbfeldern. Werke von Carla Accardi, etwa „Azzurro-Rosso n. 2“ (1961) geben ebenso Zeugnis für die Kraft und Vitalität der 1947 in Rom gegründeten „Gruppo Forma 1.“
Kunst aus Deutschland, u. a. mit Arbeiten von Stephan Balkenhol, Albert Oehlen, Konrad Klapheck oder Jörg Immendorff, bereichert das Angebot.
Editionen
Warhol, Richter, Haring, Picasso sind nur einige der bekannten Künstler, deren Werke in der zweiten Auflage der großen Editions-Auktionen bei der Contemporary Week des Dorotheum am 5. Juni versteigert werden. 1975 fertigte Andy Warhol eine herausragende Siebdruckserie von Mick Jagger. Angeboten wird die Nummer 114 von 250 nummerierten Exemplaren. Aus einer deutschen Privatsammlung stammt „Betty“, eines der bekanntesten Motive von Gerhard Richter, ein Porträt seiner Tochter.
In Paul Klees seltener Radierung „Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich – Invention 6“ aus dem Jahr 1903 lassen sich die beiden Dargestellten als Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I. identifizieren. In dieser scharfen Satire bezieht sich Klee nicht auf eine konkrete Situation, sondern, wie er in seinem Tagebuch notiert, suchte er darin Trost für seine „elende sociale Stellung . . . und dachte dabei an die vielen, denen es ähnlich ging“.
Noble Diamanten & Uhren
Exquisite Juwelen aus Adelsbesitz und außergewöhnliche Armbanduhren werden am 22. und 23. Mai 2025 versteigert. Auf einen prominenten Vorbesitzer können noch weitere Auktionsobjekte verweisen: Am 23. Mai 2025 werden unter anderem Armbanduhren und Schmuckstücke von Pierre Brice versteigert, der in den 1960er-Jahren durch seine Rolle des Winnetou in den Karl-May-Filmen große Popularität erlangte. Das Highlight ist eine Breguet Marine Tourbillon Equation Marchante Grande Complication. Breguet feiert in diesem Jahr das 250-Jahr-Jubiläum. Dem Gründer Abraham-Louis Breguet sind zahleiche wegweisende Innovationen zu verdanken: Er erfand das Tourbillon, eine technische Komplikation, die 1801 patentiert wurde, den Breguet-Zeiger, dessen filigrane Formgebung den Uhren eine besondere Ästhetik und Eleganz verleiht, sowie die Stoßsicherung. Bei dem in der Auktion angebotenen Modell mit der Referenz 5887BR mit ewigem Kalender ist die Differenz zwischen der realen Sonnenzeit und der standardisierten Uhrzeit abzulesen.
Information
Contemporary Week
- Moderne: 20. Mai 2025, 18 Uhr
- Zeitgenössische Kunst I: 21. Mai 2025, 18 Uhr
- Zeitgenössische Kunst II, Online Auction: 22. Mai 2025, 17 Uhr
- Bedeutende Juwelen: 22. Mai 2025, 13 Uhr
- Armband- und Taschenuhren: 23. Mai 2025, 13 Uhr