Nach dem Totalstillstand in der Corona-Krise hat die Passagierzahl am Flughafen Wien mit rund 31,72 Millionen (2024) am Airport (rund 41,4 Millionen in der FWAG-Gruppe inklusive Malta) wieder das Vorkrisenniveau von 2019 erreicht. Österreich ist trotz der jüngsten heftigen Preissteigerungen immer noch ein sehr beliebtes Reiseziel.
Neue Investitionen
Damit dies auch in Zukunft so bleibt, müssen laut Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, einige Anstrengungen unternommen werden: „Der Flughafen senkt voraussichtlich ab 1. Jänner 2026 die Passagiertarife um 4,6 Prozent und die Landetarife um 2,15 Prozent, das ist ein positiver Anreiz für unsere Airline-Kunden und die Passagiere. Und wir investieren mit der Terminal-Süderweiterung allein 2025 rund 300 Millionen Euro in Qualität, aber auch in Digitalisierung und Sicherheit.” Um Flugreisen noch angenehmer und den Betrieb so freundlich und pünktlich wie möglich zu gestalten, wird auch in die neueste Technik für die Sicherheitskontrolle investiert. Die Installation erfolgt im Laufe des Jahres 2026.
Boom am Betriebsstandort
Der Flughafen entwickelt sich laut Ofner zugleich als Betriebsstandort: „Die Betriebsansiedlungen in der AirportCity boomen, weil Infrastruktur und Verkehrs- und Telekomanbindung hervorragend sind. Bestes Beispiel ist der innovative Raumfahrtcluster am Airport gemeinsam mit ESA und dem Land Niederösterreich.” Der nächste Entwicklungsschritt zur Erweiterung des Betriebsgebiets um rund 42 Hektar ist weit gediehen, das Interesse von Ansiedlungswerbern übersteigt bereits jetzt die Möglichkeiten. Noch in diesem Jahr soll das neue Hotel mit 510 Zimmern den Betrieb starten. Der Spatenstich für die Office-Park-Erweiterung um 17.000 Quadratmeter Büro- und Konferenzflächen erfolgt 2026.
Das Kerosin-Dilemma
Bei allen positiven Entwicklungen und Zahlen darf laut Ofner nicht übersehen werden, vor welchen enormen Herausforderungen die europäische Luftfahrt steht: „Am Beispiel des Green Deals: Werden alle geplanten Maßnahmen umgesetzt, ist mit einer deutlichen Verteuerung von Flugreisen zu rechnen.” Europäische Airlines und Flughäfen werden durch die geltende Regulierung zudem massiv benachteiligt, da sie höhere Beimengungspflichten von SAF (Sustainable Aviation Fuel; Co2-neutrales Kerosin) zu erfüllen haben. So würde der Direktflug von Wien nach Tokio um über 200 Euro teurer als mit Zwischenstopp über Istanbul. Auch soll nur in der EU produziertes SAF auf die Beimengungspflicht angerechnet werden dürfen. Dazu Ofner: „Das ist aber völlig sinnlos und zu teuer. SAF wird aus Sonnenenergie gewonnen und das ist in den Gunstlagen außerhalb Europas deutlich günstiger zu erzeugen als in Europa.” Zweifel hat der Vorstand der Flughafen Wien AG auch an der Sinnhaftigkeit der Pläne Österreichs in Sachen Umweltziele: „Die EU-Vorschriften regeln die Verminderung des CO2-Ausstoßes bis 2050. Wenn Österreich schon 2040 CO2-neutral sein möchte, dann kostet das Hunderte Milliarden mehr, ohne jeden Effekt für das Klima. Denn das CO2, das Österreich nicht emittiert, kann dann zu günstigeren Kosten in anderen EU-Ländern emittiert werden.“
Wachstumsbranche
„Wer Arbeitsplätze sichern und Klimaziele erreichen will, muss Technologien ermöglichen, statt sie ideologisch zu bekämpfen. Und er muss bereit sein, große Investitionen auch politisch zu tragen”, ist Ofner überzeugt. Wie es mit der Luftfahrt in Zeiten der Klimaschutzdiskussion weitergehen wird? „Kurzfristig sind durchaus Turbulenzen zu erwarten, langfristig bleibt die Luftfahrt eine globale Wachstumsbranche. Airbus und Boeing erwarten bis 2044 eine Verdoppelung der weltweiten Flugzeugflotte.”
Im Gegenzug dazu sei der CO2-Ausstoß vergleichsweise gering: Weltweit entfallen 2,7 Prozent der CO2-Emissionen auf die Luftfahrt, in Europa 0,5 Prozent und in Österreich nur 0,16 Prozent.