Gerade bei fortgeschrittenem Lungenkrebs sind die körperlichen, psychischen und emotionalen Belastungen enorm. Manche Formen der Erkrankung gelten als besonders schwer therapierbar. So auch eine Variante des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses, bei der eine spezifische genetische Veränderung auftritt. Jährlich erhalten weltweit rund 40.000 Menschen diese Diagnose, darunter anteilig viele Frauen und Nichtraucher*innen. Bisherige Behandlungen wie Chemo- oder Immuntherapie wirken in diesen Fällen oft nur begrenzt. Eine neue Substanz, die vom forschenden Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim entwickelt wurde, schließt nun diese therapeutische Lücke. Sie bietet erstmals eine gezielte Behandlungsoption – mit Aussicht auf bessere Wirksamkeit und eine deutlich verbesserte Lebensqualität. Das markiert eine medizinische Wende und gibt Betroffenen weltweit neue Hoffnung.
Medizinischer Durchbruch
2017 begannen Wiener Krebsforschende mit der Suche nach einem kleinen, passgenauen Molekül, das derartige Krebszellen unschädlich machen kann. Denn eine mit der Krebsart verbundene genetische Mutation verkleinert den möglichen Angriffspunkt für Wirkstoffe erheblich. In der frühen Phase arbeiteten rund 50 Forschende an dem Projekt, später wuchs das Team weiter an. Entscheidend war die enge Zusammenarbeit zwischen medizinischer Chemie und biomedizinischer Forschung: Chemiker*innen entwickelten die Moleküle, Biolog*innen testeten rund 12.000 Verbindungen auf ihre Wirksamkeit gegen diese Form von Lungenkrebs.
Nur acht Jahre später, im August 2025, kam es schließlich zur Zulassung durch die US-Gesundheitsbehörde FDA. Positive Bescheide aus China und Japan folgten. Das seien „fantastische Neuigkeiten“ gewesen, so Mark Petronczki, Leiter der globalen Onkologieforschung bei Boehringer Ingelheim. Sehr vielversprechende Daten aus Untersuchungen an Krebsmodellen und später aus klinischen Studien haben diese „beschleunigte Zulassung“ ermöglicht. „Dank der großartigen Arbeit unserer Forschenden konnte der Wirkstoff deutlich schneller zum Einsatz kommen, als das üblicherweise der Fall ist“, erklärt Petronczki. Durchschnittlich dauert es etwa 15 Jahre, bis ein neues Medikament Marktreife erlangt – in diesem Fall waren es nur acht.
Forschungsstandort Wien
Auch in Europa wird der Wirkstoff klinisch geprüft. Die Ergebnisse sprechen nicht nur für das Pharmaunternehmen mit rund 500 in Österreich tätigen Krebsforschenden, sondern auch für den Life-Science-Standort Wien. Sie zeigen, dass hochinnovative Arzneimittelforschung hierzulande möglich ist und international Maßstäbe setzt.
Der zugelassene Wirkstoff soll nicht der letzte Durchbruch bleiben. „Wir investieren in Therapien, die auf zentrale Krebstreiber bzw. -merkmale abzielen, um Krebszellen direkt zu bekämpfen. Parallel dazu erforschen wir neue Wege, das Immunsystem gezielt zu unterstützen – etwa durch immunonkologische Therapien“, fasst Petronczki zusammen. So entwickelt sich der Wiener Forschungsstandort zunehmend zu einem Zentrum für onkologische Präzisionsmedizin. Und die exzellenten Ergebnisse rücken den Standort Österreich weltweit ins Rampenlicht. Mehr unter: boehringer-ingelheim.com/at