Moderne und zeitgenössische Kunst sowie bedeutende Juwelen und Uhren stehen bei den großen Frühjahrsauktionen der Contemporary Week im Dorotheum in Wien vom 19. bis 21. Mai 2026 auf dem Programm. Ihnen folgen Editions am 10. Juni.
Eine der zentralen Arbeiten bei der zeitgenössischen Kunst am 20. Mai 2026 kommt vom US-amerikanischen Künstler und Filmemacher Julian Schnabel. Vor vier Jahren entstand eines seiner typischen Bilder aus Keramikscherben aus der Serie der „Victory Plate Paintings“. Schnabels unkonventioneller Umgang mit Materialien ist ein prägendes Element seines Œuvres. Die vibrierenden quarzrosa Blüten und das hell leuchtende Azur des Hintergrunds zeugen vom Optimismus warmer Sommertage – das darf auch gerne politisch gedeutet werden: Der Künstler begann mit dieser Serie an jenem Tag 2020, als Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl verlor.
Schwarze Madonnen
Zwischen Schönheit und durchaus unedlen Malstoffen oszillieren die Arbeiten des britischen „Sensation“-Artist Chris Ofili, in denen Black Culture, Religion, Geschichte und Pop verschmelzen. Nach seiner skandalumwitterten trauernden schwarzen Madonna, bei der er Elefantenmist verwendete, blieb er dieser Materie auch bei seinem in der Auktion offerierten Porträt treu. Hier kombiniert er ein Frauenporträt mit der Spielkarte Pik (engl. „trump“). „Trump“ ist ein außergewöhnliches frühes Meisterwerk, das zwischen 1997 und 1998 entstanden ist. In dieser prägenden Schaffensphase des Künstlers, in der er sich der Darstellung und Würdigung schwarzer Frauen widmete, erhielt er als erster schwarzer Künstler den von der Tate Gallery in London verliehenen Turner-Preis.
Ein weiteres Highlight ist die Bronze „Vater Staat“ von Thomas Schütte aus der gleichnamigen bekannten Serie, deren monumentale, etwa vier Meter hohe Variante seit 2010 vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin steht. Schütte selbst gab hierzu an: „Bei mir ist der Name fast immer nur ein Jux, Namen sind Etiketten, sie sind nicht weiter wichtig. Im Modell sah der ,Vater Staat‘ unserem Finanzminister so ähnlich, ich konnte es zwar schlecht ,Schäuble Standing‘ nennen, aber mit ,Vater Staat‘ waren alle zufrieden.“
Der Bogen der Auktion spannt sich von Arbeiten international renommierter deutscher Künstlerinnen und Künstler wie Günther Uecker, Günther Förg, Katharina Grosse oder der Biennale-Venedig-Gewinnerin Anne Imhof bis hin zu der international gefeierten Schweizerin Miriam Cahn und einer Riege US-amerikanischer Künstler wie William Nelson Copley, Andy Warhol, Robert Longo und Wade Guyton.
Kunst aus Österreich
Mit Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Hermann Nitsch oder Herbert Brandl stehen auch österreichische Künstler:innen im Fokus. Martha Jungwirth hat über die Jahre mit ihren Arbeiten, die in der Tradition des Informel stehen, einen unverwechselbaren Stil entwickelt. Sie ist nicht nur eine markante Figur der österreichischen Kunstszene, sondern hat in den vergangenen Jahren auch international rasant an Bedeutung gewonnen. Ihre Arbeiten zeigen die Einzigartigkeit ihrer poetischen Abstraktion. Ebenso in der Tradition des Informel steht Maria Helena Viera da Silva, die zu den bedeutendsten Künstlerinnen der europäischen Nachkriegsmoderne zählt. Ihr Werk gilt bis heute als einzigartige Reflexion von Raum, der Wahrnehmung an sich und der Erfahrung der Moderne.
Monets Waterloo
Ein besonderes Highlight der Moderne-Auktion am 19. Mai 2026 ist ein Pastell der „Waterloo Bridge“ von Claude Monet. Sie stammt aus der Serie, die er während seines dritten London-Aufenthaltes im Winter 1901 in unterschiedlichen Varianten von der Brücke angefertigt hat. Die Stadt, mit ihrem Zusammenspiel aus Wasser, Industriebauten, Verkehr und Wetter, bot dem Künstler eine sich aus immer neuen Nuancen von Licht und Farbe zusammensetzende Szenerie.
Ebenso angeboten werden Arbeiten der Protagonisten der Wiener Moderne, darunter „Nach rechts liegendes Paar“ von Gustav Klimt sowie „Zwei liegende Akte“ und ein „Sitzendes Mädchen mit rotem Hut“ von Egon Schiele. Das Mädchenbild entstand 1910. Dieses Jahr markiert den Beginn von Egon Schieles eigenständigem, enorm progressivem und neuartigem Zeichenstil. „Bemerkenswert innovativ“, so der Katalogtext, „ist das Weglassen jeglicher räumlichen Accessoires; seine Figuren bilden sich ab nun allein aus einem entleerten Hintergrund heraus. Die betonte Monumentalität ist dabei nicht zu übersehen. Da wie dort erscheinen die Farben eher kühl und beinahe entmaterialisiert.“
Existenziell
Einen Schwerpunkt setzt die Auktion auch auf das Werk von Albin Egger-Lienz, dessen Todestag sich heuer zum 100. Male jährt. Drei Arbeiten, die Ölgemälde „Zwei Schnitter“, „Mahlzeit“ und das Aquarell eines behelmten Bauernkopfes aus dem Totentanz veranschaulichen die malerische Auseinandersetzung des Künstlers mit existenziellen Themen: der Zyklus von Leben und Tod, die Verbundenheit von Mensch und Natur, die harte Arbeit um das tägliche Brot und die Schrecken des Krieges.
Zahlreiche italienische Werke aus den Dreißiger- bis Fünfziger-Jahren, unter anderem Renato Guttusos Portrait des Nino Francina, lassen in die Welt des Realismo eintauchen. Nicht fehlen darf auch Giorgio de Chirico, dessen metaphysische Malerei sich mit antiken Elementen verbindet und sein beliebtes Pferde-Motiv in den Mittelpunkt stellt, etwa beim dem Gemälde „Pferd und Zebra am Meeresstrand“, um 1930. Pferd und Reiter ist Lieblingsthema von Marino Marini, hier mit der 55,6 cm hohen Bronze Cavaliere. Weiters vertreten sind Arbeiten von Mario Schifano, Pablo Picasso, Victor Brauner, Kurt Schwitters und Hans Arp. Herausragend auch ein dynamisches Gemälde von Emilio Vedova, eine Hommage von 1993 an den Architekten Bruno Taut, eines Humanisten und Pazifisten, der vor allem im Bereich des Sozialbaus Maßstäbe setzte.
Kaschmir-Saphir
Das unbestrittene Highlight der Juwelenauktion am 21. Mai ist eine Brosche mit einem Kaschmir-Saphir mit 18,69 Karat. Saphire aus der Himalaya-Region Kaschmir zählen zu den seltensten und begehrtesten Edelsteinen der Welt. Nach ihrer Entdeckung im 19. Jahrhundert auf über 4.500 Metern Höhe wurde nur wenige Jahre geschürft. Besonders geschätzt wird die charakteristische Farbe: ein intensives, samtiges Kornblumenblau. Das nun im Dorotheum angebotene Exemplar mit 18,69 Karat ist eine absolute Rarität. Spektakulär ist ebenfalls das angebotene Collier von Tiffany & Co aus den 1930er-Jahren mit insgesamt 80 ct Aquamarinen und 15 ct Brillanten.
Am 22. Mai stehen Uhren von Jaeger-LeCoultre, Audemars Piguet, A. Lange & Söhne, IWC Schaffhausen, Rolex u.v.m. am Auktionsprogramm. Dabei hoch begehrt ist auch die Patek Philippe Referenz 5040 aus dem Jahr 2007. Die nur in geringer Stückzahl produzierte Armbanduhr präsentiert sich in einem weißgoldenen Tonneau-Gehäuse mit ewigem Kalender.
Editions bilden am 10. Juni den Abschluss der großen Frühjahrsauktionen. Versteigert werden Auflagenwerke von renommierten Künstlern wie Roy Liechtenstein, Joan Miró oder Wassily Kandinsky.
Contemporary Week
19. Mai bis 10. Juni 2026
- Moderne: 19. Mai 2026, 18 Uhr
- Zeitgenössische Kunst I: 20. Mai 2026, 18 Uhr
- Zeitgenössische Kunst II: 21. Mai 2026, 17 Uhr
- Bedeutende Juwelen: 21. Mai 2026, 14 Uhr
- Uhren: 22. Mai 2026, 13 Uhr
- Editions: 10. Juni 2026, 16 Uhr