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Die Sammlung der OeNB

Kunst. Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens präsentiert das Leopold Museum mit der Ausstellung ­»Premiere!« erstmals die Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) der Öffentlichkeit.

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Insgesamt 114 Werke von 79 Künstler*innen ermöglichen aktuell einen umfassenden ­Einblick in die Vielfalt und Qualität der hochkarätigen Kollektion der OeNB. Die für die Präsentation ausgewählten Arbeiten geben einen lebendigen Überblick über zentrale Strömungen aus rund 100 Jahren heimischen Kunstschaffens. Die Kollektion spannt einen Bogen von postexpressionistischen und neusachlichen Positionen über die Kunst nach 1945 bis in die jüngste Gegenwart.

Josef Gassler (1893–1978), Porträt der Halina Wittlin-Moser, um 1928, Öl auf Leinwand, Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung.
Josef Gassler (1893–1978), Porträt der Halina Wittlin-Moser, um 1928, Öl auf Leinwand, Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung. OeNB/Graphisches Atelier Neumann

Von 1918 bis heute

Seit den späten 1980er-Jahren sammelt die OeNB gezielt österreichische Malerei und Skulptur von 1918 bis heute. Einen Schwerpunkt der rund 2.300 Werke umfassenden Sammlung bildet die Malerei der Zwischenkriegszeit, insbesondere der Neuen Sachlichkeit und des Post-Expressionismus. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die gestische und geometrische Abstraktion nach 1945.

Seit Ende der 1990er-Jahre kommt den Werken der Gegenwartskunst zunehmende Bedeutung zu: Gesammelt werden Arbeiten österreichischer ­Künstler*­­innen sowie in Österreich lebender und arbeitender internationaler Kunstschaffender. Die im Rahmen der Schau erstmals in ihrer gesamten Breite vorgestellte Sammlung bildet einen prägnanten Querschnitt zentraler Tendenzen der österreichischen Kunst des 20. und ­des 21. Jahrhunderts ab und bezeugt den Anspruch der OeNB, die künstlerische Entwicklung im Land nachhaltig zu fördern.

Bedeutende Sammlung

Die OeNB sichert als Zentralbank Österreichs Geldwertstabilität, Finanzmarktstabilität und den Zahlungsverkehr. Weniger bekannt ist, dass die OeNB auch Kunst sammelt und heute eine bedeutende österreichische Unternehmenssammlung besitzt. Mit ihrer Kunstsammlung, der Sammlung historischer Streichinstrumente, dem Geldmuseum und dem Bankhistorischen Archiv leistet die OeNB einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Vermittlung österreichischer Kunst- und Kulturgeschichte. 1994 übernahm die Oesterreichische ­Nationalbank einen beträchtlichen Finanzierungsanteil in Höhe von rund einem Drittel für den Ankauf der Sammlung von Rudolf Leopold und damit für die Gründung der Leopold Museum-Privatstiftung.

„Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des 2001 eröffneten ­Leopold Museum feiern wir mit dieser Ausstellung einen wichtigen Partner, der dank seiner substanziellen finanziellen Unterstützung wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Stiftung Leopold 1994 ins Leben gerufen werden konnte“, sagt Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museum und Kurator der Ausstellung.

Ausstellungssansicht „Premiere!“.
Ausstellungssansicht „Premiere!“. Leopold Museum, Wien/Leni Deinhardstein

Engagement für Kunst

Was einst der Ausstattung der Repräsentationsräume der Nationalbank diente, entwickelte sich im Lauf der Zeit zu einem festen Bestandteil des Arbeitsumfelds für die Mitarbeiter*innen. Nur wenige Exponate der Kunstsammlung wurden bisher öffentlich ausgestellt. Ausnahmen bilden langfristige Leihgaben in der Albertina und im Leopold Museum sowie temporäre Leihgaben für Sonderausstellungen. Die aktuelle Schau würdigt die langjährige enge Verbindung zwischen dem Leopold Museum und der ­Oesterreichischen Nationalbank und macht das Engagement der OeNB für Kunst und Kultur sichtbar.

„Die OeNB-Sammlung ist ein lebendiger Bestandteil unseres Arbeitsalltags. Sie prägt die visuelle Identität der Bank und schafft eine inspirierende Umgebung für Mitarbeiter*innen und Gäste. Die OeNB-Kunstsammlung ist ein Stück österreichischer Kulturgeschichte, das wir bewahren und weitergeben. Die aktuelle Schau bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Vielfalt und Bedeutung unserer Sammlung einem breiten Publikum zu präsentieren“, erklärt Martin Kocher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank.

Im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte entstand mit der Sammlung der OeNB nicht nur eine bedeutende Kunstsammlung der Zwischenkriegszeit, sondern auch ein umfassender Überblick über unter­schiedliche künstlerische Posi­tionen dieser Periode. Der OeNB gelang es etwa, herausragende Werke der Kunst der Neuen Sachlichkeit zu erwerben, die in Österreich lange im Schatten des Jugendstils und des Expressionismus stand. Die Kunstrichtung wurde 1925 erstmals in einer Ausstellung der Kunsthalle Mannheim unter dem programmatischen Titel „Die Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem ­Expressionismus“ präsentiert. Im selben Jahr wurde in Österreich, nach wirtschaftlichen Krisenjahren, mit dem Österreichischen Schilling eine neue Währung eingeführt, die erst 74 Jahre später, im Jahr 1999, durch die Einführung des Euro abgelöst wurde.

Ende der 1980er-Jahre fiel die Entscheidung für ein Konzept, das eine Sammlung „Österreichischer Maler der Zwischenkriegszeit“ vorsah. Parallel zu den Vorbereitungen für die Einführung des Euro-Bargelds, rückte in der Sammeltätigkeit der OeNB die zeitgenössische Kunst stärker in den Mittelpunkt. Angeregt durch die tiefgreifenden Veränderungen, die mit einer gemeinsamen europäischen Währung einhergingen, wurde die Rolle der Kunst in der OeNB neu gedacht: Sie sollte den Mitarbeiter*innen neue Perspektiven eröffnen und Denkanstöße geben.

„Neben dem bereits verfolgten Ziel, österreichisches Kulturgut im Land zu bewahren, war die Verpflichtung gegenüber der österreichischen Kunst einer der Beweggründe, österreichische Künstler*­innen in den Fokus der Sammlung zu rücken“, so Chiara Galbusera, Kuratorin der Kunstsammlung der OeNB und Ko-Kuratorin der Ausstellung.

Gustave Courbet (1819–1877), L‘Homme à la pipe (Der Mann mit der Pfeife), um 1849.
Gustave Courbet (1819–1877), L‘Homme à la pipe (Der Mann mit der Pfeife), um 1849. Musée Fabre de Montpellier Méditerranée Métropole/Frédéric Jaulmes

Realist und Rebell

Eine weitere Ausstellung gilt es nicht zu verpassen: Gustave ­Courbet ist ein bedeutender Vertreter des Realismus, der sich kühn über die idealisierenden Konventionen der Kunst des 19. Jahrhunderts hinwegsetzte. Als Vorkämpfer einer sozial engagierten Malerei wurde er mit dem Sturz des Kaisertums 1870 und seiner Rolle in der Pariser Kommune 1871 auch politisch bekannt. Zugleich zeigt der „Träumer“ Courbet in Porträts, Landschaften und Stillleben eine stille, nachdenkliche Welt, die konträr zu den hektischen – politischen wie industriellen – Umbrüchen seiner Zeit steht. Mit seinem selbstbewussten Auftreten, der Betonung seiner künstlerischen Autonomie, seiner Lust an Provokation sowie seiner revolutionären Malweise avancierte er zum Rebellen der Kunstszene. Die großangelegte Retrospektive im Leopold Museum ist die erste Courbet gewidmete Einzelausstellung in Österreich, die Werke aus allen Schaffensphasen vereint und einen umfassenden Überblick über sein malerisches und grafisches Œuvre bietet. Mehr als 100.000 Besucher*innen haben sich bereits von der Ausstellung begeistern lassen, die noch bis 21. Juni zu sehen ist.

Information

Ausstellung „Premiere! Die
Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank“: 24.04.–11.10.2026

Künstler*innen der Ausstellung:

Robin Christian Andersen, Joannis Avramidis, Markus Bacher, Werner Berg, Albert Birkle, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Ernst Caramelle, Gunter Damisch, Svenja Deininger, Albin Egger-Lienz, Lisl Engels, Anton Faistauer, Werner Feiersinger, Greta Freist, Josef Gassler, Roland Goeschl, Franz Grabmayr, Franz Graf, Albert Paris Gütersloh, Felix Albrecht Harta, Julia Haugeneder, Karl Hauk, Carry Hauser, Herbert Hinteregger, Oskar Höfinger, Wolfgang Hollegha, Ludwig Heinrich Jungnickel, Martha Jungwirth, Birgit Jürgenssen, Franco Kappl, Soli Kiani, Michael Kienzer, Erika Giovanna Klien, Robert Kloss, Oskar Kokoschka, Anton Kolig, Peter Krawagna, Suse Krawagna, Oskar Laske, Maria Lassnig, Jürgen Messensee, Josef Mikl, Carl Moll, Ulrike Müller, Zoran Mušič, Oswald Oberhuber, Max Oppenheimer, Josef Pillhofer, Tobias Pils, Viktor Planckh, Herbert Ploberger, Rudolf Polanszky, Markus Prachensky, Arnulf Rainer, Maximilian Reinitz, Herbert Reyl-Hanisch, Alois Riedl, Gerwald Rockenschaub, Hubert Scheibl, Alfons Schilling, Florian Schmidt, Franz Sedlacek, Esther Stocker, Andreas Urteil, Walter Vopava, Rudolf Wacker, Manfred Wakolbinger, Alfons Walde, Max Weiler, Franz West, Alfred Wickenburg, Franz Windhager, Fritz Wotruba, Erwin Wurm, Franziska Zach, Otto Zitko, Heimo Zobernig, Franz von Zülow.

Ausstellung „Gustave Courbet: Realist und Rebell“:

Noch bis 21.06.2026 zu sehen.

Leopold Museum

Museumsplatz 1, 1070 Wien
www.leopoldmuseum.org