Prägende Persönlichkeiten, die nicht per se zur Musikszene gehören, sich aber durch ihre Leidenschaft für Musik hervorheben: Sie stehen seit der Gründung im Zentrum des Festivals „Musikverein Perspektiven“. Ihre Passion soll vorgestellt werden, anderen Menschen Inspiration sein und für diese das Erleben von Musik intensivieren. Auf den Filmmacher Michael Haneke, den bildenden Künstler Georg Baselitz, den Architekten Peter Zumthor und den Physiker Anton Zeilinger folgt dabei nun Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die 2026 ihren achtzigsten Geburtstag feiert.
Jelineks Flügel
Das Leben der Autorin ist seit Langem von Musik geprägt, nicht nur, weil sie Orgelspiel studiert hat. Vielmehr beschäftigt sie sich in ihrem literarischen Oeuvre oft mit Musik – und darüber hinaus weisen zahlreiche ihrer Texte eine hohe musikalische Qualität auf. In diesem Sinne haben Stephan Pauly, Intendant des Musikvereins, Bernhard Günther, Künstlerischer Leiter von Wien Modern, und der Dramaturg Claus Philipp für die „Musikverein Perspektiven“, die von 31. Oktober bis 4. November stattfinden, ein Programm kuratiert, das sich um Elfriede Jelinek und um Musik gleichermaßen dreht – sowie um deren enge Verbindung. Konzerte, Text-Musik-Performances, Lied, Orgel, Ensemblemusik, eine musikalische Installation, Filme und Gespräche sind angekündigt. Zusätzlich werden aktuelle Texte der Autorin erstmals öffentlich gelesen.
Eine der zahlreichen Inspirationsquellen für die heurige Programmierung war dabei ein Flügel in Jelineks Zuhause, der seit Jahrzehnten nicht gestimmt wurde und daher einen ganz eigenen Klang hat. Auf diesem hat nun im Vorfeld die Pianistin Marianne Schroeder, die mit der Autorin befreundet ist, gespielt. Aufzeichnungen davon werden für eine Uraufführung im Musikverein mit Live-Klavierimprovisationen auf einem modernen Flügel und Aufnahmen eines Textes namens „AnTasten Schatten. Eurydike spielt“, den Jelinek Schroeder schenkte, kombiniert.
Inspiration für Musik
Wie generell Texte von Jelinek Inspiration für Komponist:innen waren, wird in mehreren Konzerten hörbar gemacht. Das Black Page Orchestra stellt in den Mittelpunkt, wie Schöpfungen der Autorin Basis für Libretti, Rezitationen und Subtexte waren. Mit dabei sind Werke von Cezary Duchnowski, Ying Wang und Óscar Escudero/Belenish Moreno-Gil sowie Olga Neuwirth. Überhaupt ist letztere eine Komponistin, die sich besonders intensiv mit Elfriede Jelineks Schaffen beschäftigt hat. Somit gibt es in dem umfangreichen Oeuvre Neuwirths eine ganze Werkgruppe von Stücken, die in Zusammenarbeit mit Jelinek entstanden sind – oder zu Texten von ihr. Bei den „Musikverein Perspektiven“ werden daher einerseits Neuwirths Werke für Ensemble gespielt, es werden filmische Werke der Komponistin im Filmmuseum gezeigt und es gibt andererseits eine neue Musik-Installation von Neuwirth. Ins Zentrum derselben stellt Neuwirth einen Text von Elfriede Jelinek über die Komponistin.
Mahler und Schubert
Nicht zu kurz kommen bei den „Musikverein Perspektiven“ auch persönliche musikalische Fixsterne Jelineks, darunter sind vor allem Franz Schubert und Gustav Mahler zu nennen. Die „Kindertotenlieder“ sind daher, interpretiert von Samuel Hasselhorn und Lukas Sternath, ebenso Programmpunkt wie die „Winterreise“ – passend auch dazu, dass Jelinek sich vielfach mit den Schattenseiten des Menschseins auseinandergesetzt hat.
Darüber hinaus ist Schubert im Fokus, wenn ein Text von Jelinek über diesen Komponisten in einem Konzert in den Dialog mit der Musik gebracht wird. Und dass Kompositionen von Olivier Messiaen für Jelinek stets wichtig waren – spielte sie solche ja bei der Orgelprüfung und reflektierte darüber in einem Text –, findet ebenfalls Niederschlag in der Programmierung. So wird Messiaens „Les yeux dans les roues“ im Rahmen des Festivals erklingen.
Selbst wenn die Musik im Vordergrund steht, werden literarische Schöpfungen der Autorin bei den „Musikverein Perspektiven“ nicht zu kurz kommen. Auch ganz neue sollen erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt werden, stets in der Begegnung von Sprache und Musik und mit namhaften Interpret:innen. Über allem steht der Wunsch, Zusammenhänge des Schaffens der Autorin mit der Musik hörbar zu machen – und so neue Zugänge zu ermöglichen, zur Musik wie zur Literatur gleichermaßen.
Musikverein Wien – Saison 2026/27
Wegmarken einer Saison
13. 9. 2026
Zur Saisoneröffnung dirigiert Tugan Sokhiev die Wiener Philharmoniker bei Wolfgang Amadeus Mozarts „Symphonie in g-Moll“ und Sergej Prokofjews „Romeo und Julia“-Suite.
2. 10. 2026
Pianist Igor Levit startet seinen Beethoven-Zyklus, bei dem er in acht Konzerten alle Klaviersonaten des Komponisten aufführen wird. Am 2. 10. steht dies ganz im Zeichen der „Waldstein-Sonate“, am 4. 10. unter dem Motto „Les Adieux“.
9. 10. 2026
Grande Dame Mitsuko Uchida spielt mit den Wiener Philharmonikern Beethoven, es dirigiert Riccardo Muti.
15. 10. 2026
Auf seiner Abschiedstournee mit dem Cleveland Orchestra lässt Franz Welser-Möst den Klangkörper noch einmal groß im Musikverein aufspielen, an diesem Abend sind Franz Liszts „Orpheus“, Bohuslav Martinůs „Symphonie Nr. 2“ und Johannes Brahms’ „Symphonie Nr. 2 D-Dur“ programmiert, tags darauf Richard Strauss’ Suite aus „Daphne“ und Dmitrij Schostakowitschs „Achte“.
21. 10. 2026
Beginn einer neuen Ära: Gustavo Dudamel stellt sich in Wien als neuer Chefdirigent von New York Philharmonic vor, angekündigt ist eine österreichische Erstaufführung eines Werks von Tania León und Gustav Mahlers fünfte Symphonie.
31. 10.–4. 11. 2026
Im Zentrum der heurigen „Musikverein Perspektiven“ steht Autorin und Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Dabei gibt es Konzerte, Text-Musik-Performances, Lied, Orgel, Ensemblemusik, eine musikalische Installation, Filme und Gespräche.
14. 11. 2026
Patricia Kopatchinskaja interpretiert Schostakowitschs Zweites Violinkonzert mit den Wiener Symphonikern.
2. 12. 2026
Rudolf Buchbinder feiert mit den Wiener Philharmonikern seinen 80. Geburtstag.
16. 12. 2026
Anne-Sophie Mutter spielt gemeinsam mit Kian Soltani, Beatrice Rana und Roman Patkoló Kammermusik von André Previn, Clara Schumann, Sebastian Currier und Felix Mendelssohn Bartholdy.
11. 1. 2027
Klaus Mäkelä gibt sein erstes Wien-Konzert als designierter Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra und leitet Symphonien von Jean Sibelius und Dmitrij Schostakowitsch, tags darauf von Gustav Mahler.
12. 3. 2027
In seinem Rezital präsentiert Jewgenij Kissin Werke von Ludwig van Beethoven, darunter „Sonata quasi una Fantasia“ und die Diabelli-Variationen.
2.–25. 4. 2027
Im Festival „Kult!“ steht Beethovens Sargschlüssel, ein Objekt aus dem reichhaltigen Archiv des Musikvereins, sinnbildhaft für die Verehrung, die herausragende Komponisten durch ihre Zeitgenossen und Nachfahren erfahren haben. So erklingen Werke, in denen sich Komponisten ehrfürchtig auf andere Komponisten beziehen und ihnen auf diese Weise musikalische Denkmäler setzen.
11. 4. 2027
Martha Argerich spielt Beethovens Zweites Klavierkonzert.
19. 4. 2027
Im Rahmen ihres Beethoven-Schwerpunkts kombiniert die Staatskapelle Dresden unter Daniele Gatti die erste, vierte und fünfte Symphonie des Komponisten mit einer heimischen Erstaufführung eines Werks von Clara Iannotta.
8. 5. 2027
Sir Simon Rattle leitet das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bei Antonín Dvořáks „Scherzo capriccioso“, Alban Bergs Violinkonzert und Franz Schuberts „Große C-Dur-Symphonie“.
16. 5. 2027
Christian Thielemann setzt sein Projekt mit Orchesterliedern von Richard Strauss fort, Solistin ist Sopran Camilla Nylund. Außerdem erklingen Werke von Franz Liszt.
27. 5. 2027
Italienisches Flair bringt Dirigent Riccardo Chailly mit der Filarmonica della Scala und Giuseppe Verdis „Stabat mater“/ „Te Deum“ sowie Opernouvertüren u.a. zu „Nabucco“ und „La forza del destino“.
4. 6. 2027
Christian Thielemann kehrt mit Richard Strauss’ „Oboenkonzert“ und Arnold Schönbergs „Pelléas und Mélisande“ (Symphonische Dichtung) im Goldenen Saal ans Pult der Wiener Philharmoniker zurück.
9. 6. 2027
Beide Brahms-Klavierkonzerte an einem Abend zu erleben: Pianistin Yuja Wang macht es möglich. Sie spielt nicht nur den Solopart, sondern übernimmt auch die musikalische Leitung.
22. 6. 2027
Herbert Blomstedt leitet, fast hundertjährig, die Wiener Philharmoniker bei Symphonien von Franz Schubert und Anton Bruckner.
27. 6. 2027
Franz Welser-Möst führt den Wiener Singverein und Bläser der Wiener Philharmoniker bei Franz Schuberts „Deutsche Messe“ und Anton Bruckners „Messe für Chor und Bläser“ an.