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Ein Quartett macht von sich hören

Kunst. Ein Gemälde von Max Oppenheimer zählt zu den Highlights der Dorotheum-Auktionswoche vom 17. November bis 3. Dezember 2026. Moderne & zeitgenössische Kunst, Juwelen & Uhren stehen am Programm.

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Nach mehr als 90 Jahren ist dieses Werk erstmals auf dem Markt: Max Oppenheimer, „Das Hess-Quartett. Streichquartett I“, 1914.
Nach mehr als 90 Jahren ist dieses Werk erstmals auf dem Markt: Max Oppenheimer, „Das Hess-Quartett. Streichquartett I“, 1914. Dorotheum

Es ist ein Bild, das man beinahe hören kann. Die Geigenbögen scheinen in Bewegung, Formen und Farben verdichten sich zu einem mitreißenden Rhythmus. Mit „Das Hess-Quartett. Streichquartett I“ schuf Max Oppenheimer 1914 sein erstes großes Musikerbild.

Nach mehr als neun Jahrzehnten in Privatbesitz wird das 120 mal 117 Zentimeter große Ölgemälde am 17. November erstmals bei einer Auktion angeboten.

Maler und Musiker

Oppenheimer (Wien 1885–1954 New York) bewegte sich im künstlerischen Umfeld von Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Er verband die Formensprache des französischen Kubismus mit der Dynamik des italienischen Futurismus und entwickelte daraus einen unverwechselbaren Stil. Musik war für ihn weit mehr als ein Bildmotiv: Er spielte selbst Violine und verstand sich auch als Musiker und Musikkritiker. Bei Konzerten studierte er genau, wie die Instrumentalisten ihre Bögen führten, welche Haltung sie einnahmen und wie ihre Hände die Saiten griffen. Im Hess-Quartett, benannt nach dem berühmten Violinisten und Primarius Willy Hess, wird dieses genaue Beobachten zur vibrierenden Komposition.

Später führte Oppenheimer seine Auseinandersetzung mit der Musik in monumentalen Werken wie „Die Philharmoniker“ fort, dieses befindet sich heute im Belvedere.

Wiederentdeckt

Die Geschichte des Gemäldes ist ebenso außergewöhnlich wie seine Gestaltung. Zuletzt war es 1935 in der Wiener Secession ausgestellt, danach verlor sich seine Spur. Es gehörte einst Arnold Glück, der das Bild auf der Flucht vor den Nationalsozialisten nach Ostböhmen mitnahm. Über dessen Witwe wurde es innerhalb der Familie weitervererbt.

Nun ist das lange verschollene, kunsthistorisch bedeutende Werk aus tschechischem Privatbesitz wieder aufgetaucht – eine Wiederentdeckung, die eine Lücke in Oppenheimers Œuvre schließt.

Tiroler Bergwelten: Alfons Walde, „Aufstieg der Schifahrer“, um 1935.
Tiroler Bergwelten: Alfons Walde, „Aufstieg der Schifahrer“, um 1935. Dorotheum

Große Namen der Moderne

Weitere Höhepunkte der Moderne-Auktion am 17. November sind zwei neu entdeckte Zeichnungen Gustav Klimts: „Sitzende mit angewinkelten Beinen“ und „Sitzender Akt“. Egon Schiele ist unter anderem mit einer Frauendarstellung von 1911 und dem Porträt eines Soldaten vertreten.

Einen Blick in die Tiroler Bergwelt bietet Alfons Walde: Sein ikonisches Gemälde „Aufstieg der Schifahrer“ aus der Zeit um 1935 stammt aus einer Wiener Privatsammlung.

Giorgio de Chirico ist mit „Gli Archeologi (Manichini Seduti)“ von 1962 vertreten: Das Motiv zweier gesichtsloser Figuren, deren Körper von Architekturfragmenten gefüllt sind und so zu einem Schrein der Geschichte werden, ist ein perfektes Beispiel für die Neometaphysik in seinem Spätwerk. Arbeiten von Carl Moll, Emil Nolde und Marc Chagall sind ebenfalls im Angebot.

Op Art: Victor Vasarely, „Tomor“, 1974/75.
Op Art: Victor Vasarely, „Tomor“, 1974/75. Dorotheum

Form und Farbe

Von der Wiener Moderne führt die Contemporary Week zur internationalen Avantgarde. In der Auktion Zeitgenössische Kunst am 18. November begegnen einander unterschiedliche künstlerische Positionen: Ad Reinhardts „Abstract Painting (Green)“ von 1952 ist ein Schlüsselwerk auf dem Weg zur ­Minimal Art. Victor Vasarely, Mitbegründer der Op-Art, lässt in ­„Tomor“ (1974/75) geometrische Formen und Farbkontraste zu einer verblüffenden Illusion räumlicher Tiefe werden. Die italienische Avantgarde ist u. a. mit Piero ­Dorazios „Match“ von 1968 sowie Arbeiten von Carla Accardi vertreten. Daniel Richters „Scharnier von gestern zu morgen“ aus dem Jahr 2005 stammt aus einer deutschen Privatsammlung.

Poetische Abstraktion: Martha Jungwirth, Ohne Titel, 2007.
Poetische Abstraktion: Martha Jungwirth, Ohne Titel, 2007. Dorotheum

Ein besonderes Augenmerk gilt Martha Jungwirth. Zwei Ölgemälde aus den Jahren 1995 und 2007 zeigen ihre unverwechselbare gestisch-expressive Malerei. Arnulf Rainer, Hermann Nitsch, Herbert Brandl und Maria Lassnig sind weitere österreichische Künstler:innen, deren Werke sich in der Auktion finden.

Aus 1952: Arnulf Rainer, „Vertikalgestaltung“.
Aus 1952: Arnulf Rainer, „Vertikalgestaltung“. Dorotheum

Eine Uhr, die lebendig wird

Am 19. November stehen rund 150 Schmuckstücke zur Auswahl, darunter unbehandelte Kaschmir- und Ceylon-Saphire, seltene Diamanten sowie Entwürfe von Cartier, Bulgari, Harry Winston und Suzanne Belperron. Tags darauf kommen rund 160 Armband- und Taschenuhren bedeutender Manufakturen zum Aufruf.

Loving Butterfly Automaton von Jacques Droz, um 2018.
Loving Butterfly Automaton von Jacques Droz, um 2018. Dorotheum

Ein kleines mechanisches Schauspiel bietet die Uhr von ­Jaquet Droz Loving Butterfly-­Automaton. Auf dem Zifferblatt zieht ein Schmetterling einen Putto in einem Streitwagen durch eine Szenerie aus 18-karätigem Roségold. Auf Knopfdruck schlagen die Schmetterlingsflügel, während sich das Wagenrad dreht. Inspiriert ist die Szene von einer Zeichnung, die Henri-Louis Jaquet-Droz bereits 1774 für einen Automaten anfertigte. Die 2018 gefertigte Uhr ist eine von nur 28 Exemplaren weltweit.

Den Schlusspunkt der Contemporary Week setzt am 3. Dezember die Online-Auktion Editions mit Arbeiten von Andy Warhol, Keith ­Haring, Gerhard Richter u.v.m..

CONTEMPORARY WEEK

  • 17. 11. 2026 Moderne, 18 Uhr
  • 18. 11. 2026 Zeitgenössische Kunst I, 18 Uhr
  • 19. 11. 2026 Zeitgenössische Kunst II, 17 Uhr
  • 19. 11. 2026 Bedeutende Juwelen, 14 Uhr
  • 20. 11. 2026 Armband- und Taschenuhren, 14 Uhr
  • 3. 12. 2026 Editions, 16 Uhr

Besichtigung ab 9. November im Palais Dorotheum.

dorotheum.com

Neue Podcast-Folge: Max Oppenheimer, Klangvolle Kunst (siehe QR Code)