Anzeige

Anton Bruckner, Stimmen und Kammermusik

Was Anton Bruckner für Singstimme und Ensemble schuf, wird beim Internationalen Brucknerfest Linz neben dem großen Sinfonienzyklus beleuchtet. Das Sakralwerk wird umfassend präsentiert.

Julia Lezhneva wird mit dem Pianisten Helmut Deutsch auch Lieder von Bruckner zur Aufführung bringen.
Julia Lezhneva wird mit dem Pianisten Helmut Deutsch auch Lieder von Bruckner zur Aufführung bringen. Ksenia Zasetskaya
Die Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen.

Anton Bruckner als Sinfoniker ist natürlich vielen ein Begriff – und er selbst verstand sich gern als solcher. Dass er drei große Messen und zahlreiche Sakralwerke schuf, wissen einige. Dass er sich aber auch der Kammermusik und dem Lied widmete, ist weniger bekannt. Da Anton Bruckners Geburt heuer 200 Jahre her ist, möchte man beim Internationalen Brucknerfest Linz umso mehr ein besonders umfassendes Bild zeigen – und präsentiert daher zahlreiche Schöpfungen, die Bruckner für diese beiden in seinem Œuvre weniger beachteten Genres geschaffen hat.

Bruckner als Schöpfer von Liedgut steht ganz im Mittelpunkt eines Hausdebüts: das der Sopranistin Julia Lezhneva. Sie wird mit dem Pianisten Helmut Deutsch unter anderem Werke von Bruckner, Frédéric Chopin, Gabriel Fauré und Bedřich Smetana vorstellen. Ihre „engelhafte“ Stimme und die Reinheit der Tonfärbung wurden schon in einer „Presse“-Kritik vor einigen Jahren beschrieben. Durch Opernrollen machte sie seither ebenso auf sich aufmerksam wie durch ausgezeichnete CD-Aufnahmen und natürlich Liederabende, wie sie nun einen im Brucknerhaus gestalten wird (2. Oktober).

Lezhneva möchte in ihrem Programm auch den Blick auf weitere Jubilare neben Bruckner sowie Todestage richten: So gedenkt sie Frédéric Chopins 175. Todestag, Bedřich Smetanas 200. Geburtstag und Gabriel Faurés 100. Todestag mit wunderschönen Schöpfungen, die diese für das Genre Lied geschrieben haben. Reynaldo Hahn gratuliert sie gleichfalls zum Geburtstag – und ermöglicht so, die eine oder andere weniger bekannte Liedkomposition zu entdecken. In Helmut Deutsch hat sie einen seit Jahrzehnten als Liedbegleiter erfolgreichen Partner gefunden, der sich wie sie auch für in Vergessenheit geratenes Repertoire interessiert.

Bruckner für Streichquartett

Andererseits möchte man Anton Bruckner beim heurigen Brucknerfest auch als Kammermusik-Kreateur präsentieren – selbst wenn es diesen genau genommen nur gab, als er bei Otto Kitzler studierte. Beim Konzert des Quatuor Danel stehen Sechs Scherzi für Streichquartett, Thema mit Variationen Es-Dur für Streichquartett, das Streichquartett in c-Moll und das Rondo c-Moll für Streichquartett auf dem Programm. Alle diese Stücke finden sich im sogenannten „Kitzler-Studienbuch“, das Bruckner 1861 bis 1863 anlegte. Kombiniert werden die Werke mit Cyrill Hynais’ Streichquartett in E-Dur. Hynais seinerseits war Schüler Anton Bruckners und später sein enger Mitarbeiter (1. Oktober).

Der Tenebrae Choir bringt A-cappella-Kleinode und hat sich zudem das gesamte sakrale Chorwerk Bruckners ohne Orchester vorgenommen.
Der Tenebrae Choir bringt A-cappella-Kleinode und hat sich zudem das gesamte sakrale Chorwerk Bruckners ohne Orchester vorgenommen. Chris O Donovan

Bekannter und umfangreicher als diese beiden Nischen in Bruckners Schaffen sind natürlich die Sakralwerke. Vokale Höhepunkte wird es neben Lezhnevas Liederabend also zahlreiche weitere geben: Die Aufführungen der drei großen Messen versprechen solche zu werden. So wird beispielsweise Thomas Hengelbrock mit den Münchner Philharmonikern morgen, 22. September, die Messe Nr. 3 in f-Moll aufführen. Unter den Gesangssolisten sind Sopranistin Katharina Konradi und Tenor Benjamin Bruns, den Chorpart über­nimmt der Philharmonische Chor München. Mit diesem Konzert geht man zurück zu den Wurzeln von Anton Bruckners Musikbegeisterung, findet es doch in der Stiftsbasilika St. Florian statt, wo Bruckner anfangs als Sängerknabe, später als Organist wirkte. Heute ist er in dieser Kirche unter seiner geliebten Orgel begraben.

Meister am Pult

Thomas Hengelbrock am Pult steht für historisch informierte Aufführungspraxis, die Münchner Philharmoniker haben bereits für maßstabsetzende Bruckner-Konzerte gesorgt. Manche Besucherinnen und Besucher werden bei dieser Aufführung wohl auch an jene erinnert werden, die einst hier unter Sergiu Celibidache zu besonderen Sternstunden vergangener Brucknerfeste wurden. Damals spielten ebenfalls die Münchner Philharmoniker. Kombiniert wird die Aufführung der f-Moll-Messe beim aktuellen Brucknerfest mit Charles Ives’ Psalm 90 für vierstimmigen Chor, Glocken und Orgel.

Daniel Reuss, das Ensemble Vocal und Ensemble Instrumental de Lausanne werden ihrerseits die Messe in e-Moll (Nr. 2) aufführen (3. Oktober). Diese wird im Mariendom erklingen, für den sie bei der Entstehung gedacht war. Bischof Rudigier hatte sie 1866 für die Einweihung der Votivkapelle bestellt. Da sich die Bauarbeiten verzögerten und sich die Votivkapelle schließlich als zu klein herausstellte, fand die Uraufführung erst 1869 und unter freiem Himmel statt. Nun erklingt sie jedenfalls am eigentlichen Bestimmungsort. Zusätzlich zur Messe präsentiert man unter anderem auch „Locus iste“, „Tota pulchra es, Maria“, „Virga Jesse floruit“ sowie Orgelimprovisationen mit Gerhard Raab an diesem Instrument. Außerdem wird die Festkantate D-Dur zu Gehör gebracht, die ebenfalls von Bischof Rudigier in Auftrag gegeben worden war.

Selbstredend wird, wenn es um das Sakralwerk und um ein umfassendes Bild des Komponisten geht, auch das „Te Deum“, das Bruckner selbst als sein „bestes Werk“ und als „Stolz seines Lebens“ bezeichnete, nicht fehlen. Markus Poschner wird dabei das Oberösterreichische Jugendsinfonieorchester dirigieren, mit dabei sind auch der Oberösterreichische Landesjugendchor sowie der Mozartchor des Musikgymnasiums Linz. Unter den Solisten sind Michaela Seliger und Alexandre Baldo. Kombiniert wird der Hymnus, den Bruckner sehr spät – nämlich nicht lang vor seinem 60. Geburtstag – komponierte, mit einem Werk aus seiner Anfangszeit, der Missa solemnis b-Moll, sowie mit „Elysium“, einem Orchesterwerk des kanadischen Komponisten Samy Moussa, das sich auf Bruckners 4. Sinfonie bezieht (9. Oktober).

A-cappella-Kleinode

Und nicht nur die großen Sakralwerke sollen heuer im Fokus stehen, wenn man Bruckners geistliches Werk beim Internationalen Brucknerfest beleuchtet. Der Tenebrae Choir seinerseits bringt ­A-cappella-Kleinode in den Alten Dom und hat sich für zwei Abende zudem das gesamte sakrale Chorwerk Bruckners, das ohne Orchester auskommt, vorgenommen. Der 2001 von Nigel Short gegründete und bei den Konzerten auch geleitete Chor gehört zu den führenden Vokalensembles der Welt (24. und 25. September).

Werke für Männerchor präsentieren ihrerseits der Chorus Viennensis und Sonat Vox – und gedenken dabei der Tatsache, dass auch Anton Bruckner Männergesangsvereinen nicht nur angehörte, sondern sie darüber hinaus leitete und gründete. Werke von Bedřich Smetana und Peter Cornelius kommen außerdem in diesem Konzert zu Ehren, denn auch ihre Geburtstage jähren sich heuer zum 200. Mal und sie haben sich mit Liedern für unbegleiteten Männerchor beschäftigt (5. Oktober). So kann man sich beim Internationalen Brucknerfest Linz heuer also auch auf die Spurensuche begeben, welche Werke der Jubilar abseits der Sinfonien schuf, denen ein eigener Zyklus gewidmet ist (siehe Artikel unten).

Mehr unter brucknerhaus.at

Mehr dazu
Anzeige

Wie Bruckner sie wollte . . .